Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
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Tambour Tambroni (Clotilde) 33

gesprungen wäre, und sie mit glühenden Armen umfaßt hätte. Er halte übrigenseine einzige Ader, welche vom Halse bis in die Ferse ging und mit einem ehernenNagel verschlossen war. Mcdea überlistete ihn endlich, als sie mit den Argonautenlandete, zog diesen Nagel heraus, und das Leben strömte mit dem Blute von ihm.Noch erzählt die Fabel ähnliche Geschichten von diesem Talos, der wahrscheinlicheine große eherne Statue war, welche die Phönizier als Wachtthurm an das Uferoder auf ein Vorgebirge von Kreta gesetzt hatten. Hephästos soll sie dem Minosgeschenkt haben. Außerdem wird noch ein Talos in der Geschichte erwähnt, wel-cher ein Schwestersohn des Dadalus gewesen sein soll, bei dem er die Bildhauer-kunst erlernte und die Töpferscheibe, die Säge und mehre nützliche Werkzeuge er-fand, darüber aber vom Dadalus heimlich ermordet ward.

Tambour nennt man in der Kriegsbaukunst die Schließung eines offenenWerks mittelst hart an einander cingegrabener Palisaden, die nach Befinden derUmstände mit Schießlöchern versehen werden. Zuweilen legt man solche Tam-boure vor Stadtthore oder vor die Ausgänge militairisch besetzter Gebäude.

Tambroni (Joseph), Archäolog, geb. zu Bologna 1774, studirte daselbst,und begab sich 1796 nach Mailand, um Theil an den Ereignissen zu nehmen, welcheder Einbruch eines franz. Heeres vorbereitete. Als die Fortschritte der russ.-östr. Ar-meen (1799) s. Sicherheit bedrohten, flüchtete er nach Chamberp und verheirathetesich daselbst. Nach der Schlacht von Marengo begleitete er den Grafen Marescalchinach Paris und erhielt eine Anstellung im Ministerium des Auswärtigen. Die Sehn-sucht nach Italien aber machte ihm den Posten eines Eonsuls zu Livorno wünschens-werth. Von hier nach Rom versetzt, und von alten Denkmälern umringt, beganner das Studium dcr Alterthumswissenschast. Er wurde Mitglied der Akademien derAlterthümer und von S.-Luca zu Rom, der Akademie der schönen Künste zu Wien,und Correspondent des franz. Instituts. Unter s. Werken nennen wirr 1)6om-ponclio ävllo storie <Ii?olonia" (2 Bde.); 2)Oo8vrir:. äe- äipiuti u kresvo ese-Fuiti nd palkirro «lel «luerr <!i Lraovisno"; 3)wettere 8ulls urne oinorari«:«legt- »uticüi"; 4)l'rattato ckvll» pittura <Ii Ovnnino (lennini",' 5)i'älo-zio äi 6anov.-r'' (Mailand 1823). T. starb zu Nom den 16. Jan. 1824.

Tambroni (Clotilde), älteste Schwester des Vorigen, geb. zu Bologna 1758,zeigte früh Hinneigung zu ernsten Studien. In dem Zimmer, wo ihr Bruder Un-terricht im Griechischen empfing, mit weiblicher Handarbeit beschäftigt, horchte sieauf jedes Wortsund bald war sie im Stande, Fragen des Lehrers, die ihren Bruderin Verlegenheit setzten, zu beantworten. Ein solches Talent machte zwei Professorender Universität aufmerksam. Mit ihrer Beihülfe kam Cl. in kurzer Zeit dahin, daßsie griech. Verse bildete, die der Gesellsch. der Jnestricati vorgelesen wurden und ihrdie Ehre der Mitgliedschaft erwarben. Dankbar für diese Auszeichnung, schrieb El.zur Hochzeiksscier des Präsidenten der Ges. ein griech. Epikhalamium. Jetzt beeil-ten sich die Arkadier zu Nom, die clementische und hetrurische Akademie zu Cortona,die neue Muse in ihre Mitte aufzunehmen. Der Senat von Bologna bcriefsie 1794als Pros. der griech. Sprache an die Universität. El. verlor jedoch ihren Lehrfluhhals sie 1798 sich weigerte, den Haß des Königthums zu beschwören, wie es die Ver-fassung der cisalpini'schen Republik gebot. In Begleitung ihres alten, kindlich ge-liebten Lehrers, des Paters Aponte, unternahm jetzt der Exprofessor eine Reise nachSpanien. Bei ihrer Rückkehr ließ Bonaparte den Talenten der Slgnora T. Ge-rechtigkeit widerfahren, ohne sich um ihre politischen Meinungen zu bekümmern;ihr Name ward in das Album der Universität Bologna wieder eingetragen. Als spa-ter der Lehrstuhl der griechischen Sprache aufgehoben wurde, zog sich diese merkwür-dige Frau in die Einsamkeit zurück. Außer dem Griechischen verstand sie noch La-teinisch, Französisch, Englisch und Spanisch; auch stand sie mit ital. und auswart.Gelehrten im Briefwechsel. D'Anse de^Villoison sagte von ihr:In Europa gabCo»v.-Lcx. Siebente Aufl. Bd. XI. ch 3