26 Lallcyrand -- Püngord (Fürst von)
constitutionnellen Verein im Hotel Salm mit gründen und las daselbst 2 Abhand-lungen vor, die durch Ansichten und Styl Aufmerksamkeit erregten:s„Über die Vor-theile, eine franz.Colonie an der Nordküste von Afrika zur Unterwerfung der dorti-gen türkischen Corsarenstaaten zu errichten", und „Über den Handel mit den Verein.Staaten". Bald stieg des Hrn. v. T. Einfluß so, daß er nach dem 18. Fructidor,im Juli 1797, das Ministerium der auswärt. Angeleg. erhielt. Damit beginntdie wichtigste Periode der öffentlichen Laufbahn dieses berühmten Staatsmanns bis1808, an welche sich die spätere von 1814 und 1815 anschließt. Schon 1797wurde Hr. v. T. von allen Parteien, die s. Gegenwart fürchteten und seine geheimeMacht kannten, in Flugschriften und Epigrammen heftig verfolgt. Er antwortetedarauf in den bekannten „bielaircisseineno «tonnen o ines vonoitoz-eno" und legtesogar s. Stelle nieder; dessenungeachtet ward er 1799 in dem Rathe der Fünfhun-dert von Briot und Lucian Bonaparte öffentlich angegriffen, sowie von s. Vorgän-ger Charles Lacroix und vonQuatremere-Disjonval unaufhörlich mit Flugschriftenverfolgt, bis der General Bonaparte auS Ägypten zurückkam, dessen Entwürfe vordem 18. Brumairc an T. eine geheime, aber mächtige Stütze fanden, und der ihms. Stelle wieder anwies. Hierauf präsidirte er bei den Unterhandlungen, welche denFriedensschlüssen von Luneville und Amiens vorangingen. Im Juni 1802, nachWiederherstellung des kathol. Cultus in Frankreich, wirkte ihm der erste Consul beidem Papste Pius VII. ein Breve aus, das ihn seiner Verpflichtungen als Geist-liche' entband und s. Ehe mit Madame Grandt bestätigte. Als Obcrkammerhcrr(grämt vllsmboUan lle I'Lmpire) folgte er 1805 dem Kaiser Napoleon zur Krö-nung in Mailand; zu Ende d. I. begab er sich nach Wien und Pcesburg und un-terzeichnete den Frieden mit Östreich. Am 5. Juni 1L06 erhob ihn Napoleon zumsouverainen Fürsten v. Bcnevent, nachdem er bereits im März mit Fox über denFrieden verhandelt hatte. Nach der Schlacht bei Jena folgte er Napoleon nachBerlin, schloß zu Posen den Frieden mit Sachsen, und am 9. Juli 1807 mit Ruß-land und Preußen den Frieden von Tilsit. Bald darauf (9. Aug. 1807) ernannteihn Napoleon zum Reichsvlcegroßwahlherrn; s. Ministerstelle aber erhielt Cham-pagny, weil, wie man glaubt, T. in Napoleons Absichten auf Spanien nicht ein-gehen wollte. Dennoch folgte er dem Kaiser nach Bayonne und später nach Erfurt.Um diese Zeit suchte Fouche ihn bei Napoleon verdächtig zu machen. Der Kampfbeider Nebenbuhler um den ausschließenden Besitz der zweiten Macht in der neuenRegierung ward lange insgeheim und mit großer Lebhastigk-it fortgesetzt. Indeßblieb T. auch während seiner Ungnade 1808—14 nicht unthätig. Er half dieneueste Wendung des europäischen Staatenschicksals mit vorbereiten. — BeimEinrücken der Verbündeten in Paris am 1. April 1814, leitete er. als Präsident derProvisor. Regierung alle Verhandlungen, welche die Absetzung Napoleons herbei-führten, und entschied vorzüglich die Restauration des Hauses Bourbon. (Der Kai-ser Alexander wohnte damals im Hotel des Fürsten v. Benevent.) Ludwig XVIII.ernannte ihn d. >2. Mai 1814 zum Minister der auswärt. Angeleg., und zumPairvon Frankreich den 14. Juni. In dieser Eigenschaft wußte der Fürst v. Tallcyrand(so hieß er jetzt) auf dem Congrcsss zu Wien den Vortheil des Hauses Bourbon mitgroßer diplomatischerKunst zu befördern; er war der eifrigste und gewandteste Ver-theidiger der Legitimität; daher widersetzte er sich der gänzlichen Auflösung des Kö-nigreichs Sachsen deßhalb so energisch, weil er für Ferdinand IV. hinsichtlich Nea-pels dasselbe Recht geltend zu machen, durch s. Instruktion angewiesen war. Ererklärte: „Die Revolution sei so lange nicht geendigt, als dem Principe der Legiti-mität nicht völlig Genüge geleistet, und noch ein Fürstenhaus übrig sei, das nicht ins. Rechte wiedereingesetzt wäre". Er schloß deßhalb die geheime Allianz vom.'I.Jan.1815 mit England und Östreich gegen Rußland. Darauf betrieb er mit dem mei-sten Eifer die Erklärungen vom 13. und 25. März 1815 gegen Napoleon, und