Talleyrand - Perigovd (Fürst von) 25
jeneKunst, welche in großen Angelegenheiten die geheimen Fäden schnell zu erfassenweiß, und schon Mirabcau bezeichnete ihn in seiner geheimen berliner Correspondenzals einen der feinsten und tüchtigsten Köpfe seiner Zeit. Bei dem ersten SchritteT.'s in der politischen Laufbahn erkannte man die Überlegenheit seines Verstandes.Er war beim Ausbruche der Revolution Bischof von Autun und Abt von EelleSund St.-Dcnis. Als Abgeordneter der Geistlichkeit von Autun bei den Reichs-ständen 1789 schloß er sich dem dritten Stande an und beschleunigte die allgemeineRichtung der Gemüther, indem er am 19. Juni für die Vereinigung des geistlichenStandes mit dem dritten zu einer Nationalversammlung stimmte. Am 7. Julischlug er vor, die Vollmachten, welche bestimmte Vorschriften enthielten, für nichtigzu erklären und den Decreten der Versammlung allgemeine Gültigkeit zu ertheilen.Als Mitglied des Constitutionscomite trug er selbst auf den Verkauf der geistlichenGüter an, und erklärte ihn für ebenso gerecht als nützlich; auch setzte er die ein-müthi'ge Aufhebung des Zehntens der Geistlichkeit durch. Ohne sich durch den Wi-derspruch des Klerus, insbesondere s. Diöces, welche die Grundsätze T.'s öffentlichmißbilligte, irremachen zu lassen, handelte er stets im Geiste der Zeit und der allge-meinen Richtung des Stromes der Begebenheiten, den er oft mit kluger Gewandt-heit zu heilsamen Veränderungen zu lenken verstand. Den 16. Febr. 1790 er-nannte ihn die Nationalversammlung zu ihrem Präsidenten. Er zuerst schlug vor,ein gleichförmiges Maß- und Gcwichtssystcm einzuführen. Am Tage des BundeS-fcstes (14. Juli 1790) verrichtete er vor dem Altare des Vaterlandes das Hochamt.Zu Mirabeau's Testamentsvollzieher mit ernannt, las er vor der Nationalver-sammlung die Meinung dieses berühmten Mannes über das Recht der letzten Wil-lenserklärungen ab. Vorzüglich machte ihn sein nach wahrhaft philosophischen An-sichten ausgearbeiteter Entwurf eines allgemeinen Nationalerziehungsplanes und dievon ihm durchgeführte öffentliche Erörterung desselben berühmt. Seitdem dachte erauch an die Errichtung eines Instituts für Wissenschaft und Kunst, das 5 Jahrespater unter einer andern Regierung zu Stande kam. — Den 29. Dec. 1790rechtfertigte er in einer Zuschrift an die Geistlichkeit seine Leistung des constitution-ncllen Eides, und lud sie ein, seinem Beispiele zu folgen. Den 14. Jan. 1791 warder Mitglied des Depart. von Paris; im März und im Nov. vertheidigte er, ge-meinschaftlich mitSieyes, die nicht beeidigten Priester. Er war es, der die erstenconstitutionnellen Bischöfe weihte, worüber Pius VI. in einem Schreiben vom17. April 1791 seineünzufriedcnheit erklärte und den Bischof von Autun in denKirchenbann that. Er gab damals sein Bisthum auf. Nach dem Schlüsse derSitzungen wurden T. und Chauvelin in den ersten Monaten des 1.1792 insge-heim nach England geschickt, um den Ausbruch des Krieges zu verhindern undselbst emen Friedens- und Handelsvertrag zwischen beiden Nationen einzuleiten.Allein der 10. August trat ein, und das britische Cabinet fand sich bewogen, dendiplomatischen Charakter dieser Unterhändler nicht anzuerkennen. Chauvelin kehrtenach Frankreich zurück; T. aber, den die Jakobiner in Frankreich als einen Agentendes Hofes in Anklagestand versetzten, die Emigranten in England aber als einenEmissair der Jakobiner verdächtig machten, blieb in England, bis die Fortschritteder Revolution 1793 einen förmlichen Bruch zwischen England und Frankreichherbeiführten. Das brit. Ministerium befahl ihm, England zu verlassen. Da ernun wußte, daß man nach dem 10. Aug. 1792 in den Tuilerien Schriften gefun-den habe, die ihn verantwortlich machen konnten, so begab er sich nach den Verein.Staaten von Nordamerika, wo er sich mit Handelsunternehmungen beschäftigte.Nach dem 9. Thcrmidor kam er wieder nach Europa. Auf M. I. Chenier's Be-richt und die lebhafte Verwendung der Frau v. Staöl hob der Nationalconvent imSept. 1795 das gegen ihn erlassene Anklagedecret auf, und Hr. v. T. kehrte überHamburg, wo er Mad. Grandt kennen lernte, nach Paris zurück. 1797 half er den