Druckschrift 
11 (1830) T bis V
Entstehung
Seite
18
Einzelbild herunterladen
 

18

Takt

den, Rollen, Anker w. Daher abtakeln so viel heißt, als jenes Erräth einemSchiffe abnehmen und ins Zeughaus bringen; takeln hingegen ein Schiff mitMasten, Segeln, Tauwerk so in Stand setzen, daß es in See stechen kann. Diewichtigsten Vorrichtungen zur Fortbringung eines Schiffs sind die Segel, zu derenAufspannung Masten errichtet werden. Diese erhalten ihre Befestigung nach denbeiden Seiten des Schiffs durch das Tauwerk. Das ganze System von solchenTauwerken an einer Seite des Schiffs heißt Wank, und wird zu Strickleiterneingerichtet, um aufdie Masten steigen zu können- Auf den eigentlichen Mastenerrichtet man noch L oder 2 andre, die man Stengen nennt. Bei der vollständi-gen Takelage führt ein Schiff 3 Masten und das Bugspriet (welches vorn schrägauf dem Schiffe liegt). Die Segel, welche nach dem Mäste, an dem sie sich be-finden, verschiedene Namen erhalten, werden durch horizontal liegende Hölzer ge-führt, die man Rahen (Segelstangen) nennt. Mit Hülse der Segel wird derWind zum Bewegen des Schiffes benutzt. Die Seite, von welcher der Wind her-kommt, nennt der Seefahrer die Lufseits (Luftseite), die, nach welcher er hinweht,die Leeseite. Mittelst der schiefen Stellung der Segel aber wird es möglich, daßSchiffe mit einerlei Winde nach ganz verschiedenen und sich an der Leeseite nach al-len Winkeln kreuzenden Richtungen fahren können. Um das Schiff auf einerStelle zu erhalten, läßt man den Anker zugehen, d. h. in den Grund fallen; oderman legt das Schiff bei, indem man die Segel den Wind in entgegengesetzten Rich-tungen empfangen laßt. Mehr hierüber s. Seewissenschaften.

Takt bedeutet 1) in der Musik L) das Maß, nach welchem man eine Reihevon Klängen, als zeiterfüllende Größen, gleichförmig abtheilt; dann 2) diese Ab-theilung selbst, besonders wenn sie genau ist (wie wenn man sagt, ein Sängeroder Spieler habe keinen Takt); 3) die Art der Abtheilung oder dieses Maßes(Taktart); 4) die einzelnen Abschnitte, welche durch diese gleichmäßige Abtheilungaufeinanderfolgender Klänge entstehen, und das gleichmäßige Verhältniß, in wel-ches sie dadurch zu einander treten, die Noten eines Takts und oft auch die ganzeTaklnote; ll) eine gleichmäßige (nach einem bestimmten Maße einzutheilende) Be-wegung überhaupt, wie sie auch beim Gehen und Tanzen vorkommt. Denn dieVerschiedenheit der Klänge in Hinsicht ihrer Höhe und Tiefe (Töne) bestimmt denTakt so wenig, daß Takt auch ohne diese stattfinden kann; aber nicht ohne Ver-schiedenheit der Zeitdauer und des Accents. (S. Rhythmus.) Der Grund liegtdarin, daß wir ohne denselben eine Reihe von Bewegungen und Tönen nicht alsein Ganzes auffassen würden. Um dieses zu können, müsse» uns die aufeinan-derfolgenden Klänge und Nückungen als Theile gleichförmig wiederkehrender Ab-schnitte erscheinen denn in dieser gleichförmigen Wiederkehr erkennen wir ebendie Einheit des Mannigfaltigen in der Zeitfolge (d- i. den Rhythmus); eS ist daherder Takt der Bewegungen und Töne Dasselbe, was die Symmetrie und ihre Ver-hältnisse für die räumliche Figur. Durch den Takt theilen wir den Rhythmus inGlieder, und wir nehmen beim Fortschreiten der Bewegungen und Klänge gleich-förmige Zeittheilr wahr, indem jene Abtheilungen nicht nur überhaupt gleiche Zeit-dauer haben, sondern sich auch in Hinsicht ihrer Zeitglieder entsprechen. Im Ge-gentheil würde die Empfindung der gleichmäßigen Fortschreitung aufgehoben wer-den, wenn z. B. Dreivierteltakt und Viervierteltakt fortdauernd vermischt hintereinander vernommen würden, in welchem Falle zwar beide so vorgetragen werdenkönnten, daß einer ebenso viel Zeit als der andre erfüllte, aber beide sich in derZahl der Rückungen oder Zeitthcile widersprächen. Es ist also der Takt ein Gleich-maß aufeinanderfolgender Zeittheile, eine Zeitabcheilung in der fortschreitenden Be-wegung, durch welche das Aufeinanderfolgende in gleich lang dauernde und gleichgemessene Glieder zerfallt. Dieses Gleichmaß wirkt auch angenehm auf das Gehör,wie das symmetrische Verhältniß der Körper auf das Auge, und hat nach der Der-