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11 (1830) T bis V
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Tageslicht

erscheint, wo die geradlinigen Strahlen der Sonne unser Auge nicht treffen. Jenesist nämlich über der Erdoberfläche überall gegenwärtig; es kommt von allen Seitenund allerwärts her, wo die Sonne nicht ist. Es ist fast gleichmäßig vertheilt, auchganz in der Nähe der freien Erdfläche, wo keine Schatten gebenden Gegenständedie Vertheilung ungleich machen. Wir sehen die Atmosphäre als die Bedingung(nicht die bewirkende Ursache) des Tageslichts an, insofern es vom Sonnenlichteverschieden ist. Mit dieser Behauptung hängt nothwendig eine andre zusammen:daß nämlich, wenn keine Atmosphäre existirte, der Himmel auch am Tage überallfinster erscheinen müßte, die leuchtenden Punkte (Sterne) ausgenommen; dieSonne wäre dann nur der größte leuchtende Punkt, und sie könnte das Licht derSterne für unser Auge nicht auslöschen, was nur das Tageslicht vermag. Letzte-res ist nämlich nichts Andres als die Erleuchtung der Atmosphäre durch die Sonne.Diese Erleuchtung beruht aber nicht auf einem mechanischen Zurückwerfen der Licht-strahlen, sonst müßten am Tage alle Körper in dem der Sonne eigenthümlichenweißen Lichte erscheine». Jeder Körper erscheint vielmehr in seiner eigenthümli-chen Farbe, d. h. in demjenigen Lichte, welches er selbst, wenn er durch die Sonneerregt wird, zu entwickeln vermag. Wenn nun das Sonnenücht keineswegs dieWirkung eines besondern Lichtstoffs ist, welchen die Sonne aussendet, sonderndie Erscheinung einer polaren Spannung (Wechselwirkung) zwischen der Sonneund dem Planeten (s. Licht), so hat es mit dem Lichte, welches erleuchtete Kör-per geben, eine gleiche Bcwandniß. Die Körper sind zur Tageszeit durch dieSonne erleuchtet heißt also: sie sind durch die Sonne zum Selbsileuchten erregt,welches aber nur so lange dauert als die Erregung. Es können aber nur undurch-sichtige Körper erleuchtet werden, denn die durchsichtigen pflanzen das Licht einesseibstleuchtendcn Körpers fort, und können insofern nicht zum Selbsileuchten er-regt werden. Gabe es vollkommen durchsichtige Körper, so müßten sie auch voll-kommen unsichtbar sein, weil nur erleuchtete und selbsileuchtcnde sichtbar sein kön-nen. Unter allen uns bekannten durchsichtigen Körpern ist aber keiner vollkommendurchsichtig, da sie alle mehr oder weniger sichtbar und um so sichtbarer sind, je dich-ter ibre Masse ist. Am deutlichsten sichtbar sind daher der Diamant, der Krystall,das Glas, auch das Wasser ist noch deutlich sichtbar; aber die, im Verhältniß zuletzten« gegen 1000 Mal dünnere Lust scheint völlig unsichtbar, mithin vollkom-men durchsichtig zu sein. Das ist sie aber nicht, da selbst beim heitersten Tage ent-fernte Gegenstände, z. B. Berge, wie durch einen blauen Duft getrübt, erschei-nen, und dies um so mehr, je entfernter sie sind. Dieses Blau ist die Erscheinungder erleuchteten und daher unvollkommen durchsichiigen Lust. Das Blau desHimmels beim Mangel der Wolken ist dieselbe Erscheinung, nämlich die cigcn-thümlichc Farbe der erleuchteten Luft; jedes Theilchen der letztem ist von der Sonneerleuchtet, mithin die ganze, der Sonne zugekehrte Hälfte der Atmosphäre zumSelbsileuchten erregt; und da die erleuchteten Theile einander selbst wieder erleuch-ten, wodurch die Lichterregung verstärkt werden muß, so sieht man hier den wah-ren Grund des Tageslichts und dessen Allgegcnwart über der tagenden Erdhälste.Die Dämmerung ist nur ein schwächeres Tageslicht und hat also keinen andernGrund als dieses selbst; die Atmosphäre ist nämlich schon lange vor Sonnenauf-gang erleuchtet, und zwar zuerst unmittelbar in der höchsten Region, woraus dieallmäligc Zunahme der Dämmerung bis zur Verwandlung in volles Tageslichtsehr begreiflich wird, nicht aber aus der Strahlenbrechung, von welcher nur dasfrühere Erscheinen des Sonnenbildes vor dem wirklichen Aufgange der Sonne dienothwendige Folge ist. Die Atmosphäre ist überhaupt, hinsichtlich des Lichts,eine sehr nothwendige Vermittlerin zwischen der Sonne und dem Planeten unddessen Bewohnern. Ohne Atmosphäre würden wir z. B. das Angesicht derSonne keinen Augenblick ertragen. Nur mittelst ihres weißen Schleiers darf und