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11 (1830) T bis V
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Tag - und Nachtleben

Nacht) angemessen, für welches also das Tageslicht überreizend, mithin erschlaffend,abspannend, schlafbringend ist. Und ebenso ist für ein leises Gehör der Lärm desTages ermüdend, und ein solches Ohr ist für die schallärmerc Nacht, ein solchesAuge für einen schwachen Tag (die Dämmerung der Nacht) besser organisirt, alsfür den licht - und tonreichcn Tag. Da nun das Gesicht vorzugsweise der Tagsinnist und dem wachenden Leben dient, und da die normale Wechselwirkung des Augesmit dem Lichte (das deutliche Sehen) ein bestimmtes Verhältniß des letztem zumAuge und dessen Sehnerven erfodect, so ist das Gesetz offenbar, nach welchem dieNachtthicre in ihrem Lebenswcchscl (Schlaf und Wachen) »om Zeitgesetz der Erdeabweichen. Tag - und Nachtleben, Wachen und Schlaf sind die beiden Pole desLebens, und nothwendig ist für alles Leben derPolwechsel; denn eine zu anhaltendeSpannung des einen Pols setzt endlich dessen Erschlaffung (Abspannung), und dieseErschlaffung ist zugleich Bedingung der Spannung des Gegenpols. Die Naturwechselt nicht mit Tag und Nacht aus bloßer Folge der Apendrchung der Erde, son-dern diese dreht sich um ihre Ape, weil sie, vermöge ihrer Lebendigkeit, das Bedürf-niß des Polwechsels in sich hat. Dieses Gesetz greift auch durch alle Seiten undRegionen des reichen Menschenlebens. Je schneidender der Gegensatz der Kräfte ist,desto schneller erfolgt in der Regel der Polarwechsel. Sehr reizbare Personen z. B.können schnell zu heftigem Zorn entflammt werden, aber dieses Feuer verzehrt sichbald und macht einer desto sanftmüthigern Stimmung, dem Gegenpol des Zorns,Raum; eben diese Personen sind einer heftigen Freude fähig, aber sie dauert nichtlange, die entgegengesetzte Stimmung erwacht, und die geringste Veranlassung be-wirkt den Übergang in ebenso heftige Traurigkeit. Das Leben selbst besteht in ei-nem Polwechsel, das heißt hier: in einem abwechselnden Überwiegen der Thätigkeitbald des einen, bald des andern oder Gegenpols. In jedem Organe des thierischenund menschlichen Organismus (Leibes) bemerkt man einen solchen Wechsel des Le-bens, ein abwechselndes Schlafen und Wachen, das nur nach einem andern Zeit-gesetz erfolgt, als beim Leben des Ganzen. Es offenbart sich dieser Polwechftl imLeben der Organe durch mehr oder weniger schnell aufeinanderfolgendes Zusammen-ziehen und Ausdehnen, was z. B. in der wurmförmigen Bewegung des Darm-systems, im sogen. Schlagen der Pulsadern und vorzüglich des Herzens sehr erkenn-bar ist. Das Leben dieser pflanzlichen Organe ist also kein ununterbrochenes Wach-sein, sondern ein schneller Wechsel von Schlaf und Wachen. So herrscht dasgleiche Gesetz im Größten wie im Kleinsten, im Leben der Erde wie in dem deskleinsten Organs der Thiere und Menschen. Wenn der Mensch durch seine Will-kür in die Regelmäßigkeit des täglichen Wechsels von Wachen und Schlaf, vonLag- und Nachtleben eingreifen, das Wachen durch gesellige Erregung verlängern,den Schlaf durch Getränke verscheuchen kann, welche die Tagkräfte reizen und inThätigkeit erhalten, so kann er es doch nicht oft ohne Nachtheil für seine Gesund-heit. Bekannt ist in dieser Beziehung das Urtheil der Ärzte, welche den mitter-nächtlichen und vvrmitternächtlichen Schlaf für den gesündester) erklären. Aus Obi-gem ergibt sich auch der Grund für dieses Urtheil: Der tiefste Schlaf muß für dieErhaltung der Gesundheit der wirksamste sein, weil in ihm die Kräfte deS Taglebensdie tiefste Ruhe, mithin die höchste Erholung finden. Aber der tiefste Schlaf ist beigesundem Zustande nur des Nachts möglich, weil der Einfluß der Nacht oder desNachtlebens der Erde den Schlaf sehr begünstigen muß, wenn im Gegentheil derdem Nachtleben feindliche Tagpol nur einen leisen oder unruhigen Schlaf, einenHalbschlaf oder Schlummer gestattet. Nichts kann daher nachtheiliger, untergra-bender für die Gesundheit sein, als die Anstrengung der psychischen Kräfte des Tag-lebens zur Nachtzeit (das nächtliche Studiren, wofür, naturgemäß, nur die Mor-gen- und Vormittagsstunden vorzugsweise bestimmt sein können). Die Naturläßt eine solche Umkehrung ihrer Ordnung um so weniger ungestraft, je öfter sie