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Tag - und Nachtleben
lismusz. B. (vgl. d.), der, in seiner wahren Natur betrachtet, als ein gesteiger-ter Traum, mithin als ein tiefer Schlaf, ein vollkommncres Nachtleben erscheint,ist bekanntlich dem wachen Zustande so ähnlich, daß man ihn Schlafwachen genannthat. Auf der andern Seite erscheinen dem wissenschaftlichen Denker in Stundender intelligenten Begeisterung neue Ideen und Verhältnisse oft wie Blitze derNacht, schnell hervortretend aus unbekanntem Dunkel, wie die Bilder eines Träu-menden, wie die Eingebungen des unbewußten Sehers; denn wenn zwar dieJdeen,als Entdeckungen des wissenschaftlichen Forschers, alle ins Bewußtsein hervortre-ten, selbst Licht sind und die Gegenstände der Wissenschaft erleuchten, so kann ersich doch oft über die Act ihrer plötzlichen Entstehung selbst keine Rechenschaft geben.So ist das wachende Leben der Menschen selbst im Grunde eine Mischung vonTag - und Nachtleben, von bewußtem und unbewußtem Leben. Diese Mischungbestimmt die verschiedenen Charaktere deS Lebens, wie die verschiedenen Grade derBildung. Auf der Verschiedenheit dieser Mischung beruht z. B. der Unterschiedim ideale» Charakter des männlichen und weiblichen Geschlechts. Denn klaresSelbstbewußtsein und Helles Denken sind Vorzüge deS Mannes, weiches Gefühldagegen, geregelte Phantasie, gebildeier Instinkt Eigenschaften des erzogenen Wei-bes. Die wenigsten Menschen gelange», zu voller Besinnung, zum hellen Taglcben,d. h. zur klaren Selbflvcrständigung über ihre Bestimmung, über de» hohem Werthund Selbstzweck des Lebens, und von ihnen gilt daher allerdings der bekannte Spruch:„Das Leben ist ein Traum". .Der Gang der Entwickelung und Bildung des ein-zelnen Menschen, wie deS ganzen Geschlechts, hat die Richtung von unten herauf-wärts, aus der Nacht in den Tag, aus der Unbewußtheit des Lebens in das ge-bildete Selbstbewußtsein, welches durch die Wissenschaft erreicht wird und auchdurch wissenschaftliche Bildung bezeichnet ist. Und hier ist auch der wesentliche Un-terschied zwischen der alten und neuen Welt oder Zelt zu suchen; dort bemerkt manein Uebergcwicht der Nachtseite, des Unbewußten, indem Gefühl, Phantasie, In-stinkt die vorherrschenden Mächte sind, während man hier den angebrochenen undzunehmende» Tag der Menschheit, das wachende und fortschreitende Selbstbewußt-sein, das erleuchtende, bildende Leben der Wissenschaft erblickt. — Denkende Leserwerden einwenden, wenn Tag und Nacht das einzig Bestimmende des Wachensund Schlafs, des Tag- und Nachtlebens bei allen auf der E'dc lebenden Wesen ist,müßte dann nicht nothwendig das Bestimmende und Bestimmte, nämlich Tagund Wachcn, Nacht und Schlaf auch hinsichtlich der Zeit überall genau zusam-menstimmen ? Ist dies aber wol der Fall? Viele Thiere wachen mehr des Nachtsals am Tage, und es gibt Nachtlhicre (Nachtvogel z. B., Eulen u. dgl., auch diesogen, reißenden sSäug-) Thiere), bei welchen dies vorzugsweise der Fall ist. DerMensch vollends kann sich mit Willkür dem Schlaft entziehen, Nächte durchwachenund dagegen den Schlaf zur Tageszeit nachholen, was bei kräftigen Menschen nichteinmal nothwendig ist. DieAntwort auf diesen Eimvurf ist folgende: Nur bei den-jenigen organischen Wesen, welche materiell mit der Erde zusammenhängen und inihr wurzeln, wie die Pflanzen, trifft in der Regel das Tag - und Nachtleben mitdem der Erde, der Zeit nach, zusammen, indeß bei dem von der Erde freigewordenenThiere und dem noch freiern Menschen dieses zeitliche Zusammentreffen der Noth-wendigkeit zum Theil entzogen ist; aber auch nur zum Theil, denn viele Thiereschlafen regelmäßig in der Nacht und wachen am Tage. Der Wechsel von Tag-und Nachtleben s, lbst bleibt aber durchgängig nothwendig, wenn auch das Zeitgesetzverschieden ist. Die Ausnahme, welche die Nachtthiere machen, nämlich ihre Ab>weichung im Lebenswechftl vom Zeitgesetz der Erbe, ist keine willkürliche, sondernvielmehr Folge eines Naturgesetzes. Die höher» Nacbtthiere scheinen durchgängigdarin übereinzustimmen, daß sie ein seines (leises) Gehör und ein blödes Gesichthaben, d h hier ein solches, welchem ein schwaches Licht (wie die Dämmerung der