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Tag- und Nachtleben
während dies Alles ruht, kann die niedere Region des Leibes, welche pflanzlicherNatur ist, desto ungestörter thätig sein. Dahin gehört das Ader- und Gefäßsystem,die Eingeweide der Brust und des Unterleibes, und ein niederes Nervensystem,welches diese Organe und Systeme belebt und regiert — das Gangliensystem, dessenCentrum (gleichsam Hirn) das Bauchganglicngeflecht in der Magengegend (ploxusSolaris) ist. Daher dauert im Schlafe das Athmen, die Bewegung des Herzensund der Pulsadern, mithin der Kreislauf des Blutes fort, und die verborgenenVerrichtungen der Verdauung und Ernährung gehen noch lebhafter von stattenals im Wachen. Aber das Gangliensystem, da es im Schlafe vorzugsweise thätigist, äußert sich auch auf psychische Weise, wo es in seiner höchsten Sphäre wirkt.Von psychischer Seite wird daher das nächtliche Leben durch die Herrschaft der nie-dern Seelenthätigkciten, daS dunkle Gefühl, die entfesselte Phantasie und einenbewußtlos thätigen, instinktartig wirkenden Willen bezeichnet, und diese Z Geisterdes (nächtlichen) Schlafs bilden in ihrer Zusammenwirkung den Traum. DieMeinung von einem traumloscn Schlafe kann man jetzt für Worurthcil erklären;denn die besser erkannte Natur des Schlafs und der menschlichen Psyche verbürgtuns die ununterbrochene Fortdauer des Traums während des ganzen Schlafs. Daßdie tiefsten Träume keine Erinnerung zurücklassen, ist natürlich, da die Erinnerungan das Selbstbewußtsein geknüpft ist, welches im vollkomriiensten Traume am mei-sten fehlt. Die Träume, die unmittelbar nach dem Einschlafen sich bilde», sind,wenn man aus einem solchen erwacht, wie die Morgcnträume, in der Regel mit Er-innerung verbunden; aber diese Träume haben noch (und schon) etwas vom Cha-rakter des wachenden Lebens, da sie an dieses unmittelbar angrenzen, und in ihnendas Bewußtsein noch nicht völlig erloschen sein kann, oder im allmäligcn Erwachenbegriffen ist. Wer aber um Mitternacht aus einem tiefen Traume erwacht, sichdessen im Augenblick deutlich erinnert, aber bald wieder einschlaft, wird am nächstenMorgen vergebens nach einer Spur davon in seiner Erinnerung suchen. (Vgl.Trau m.) — Der Schlaf ist also in aller Hinsicht ein Nachtleben, nicht bloß durchdie Zeit seiner Erscheinung, sondern durch seinen cigenlhümlichen Charakter, da inihm die Nachtseite des Menschen, d. h. die niedern, bewußtlosen, geistigen undleiblichen Vermögen und Kräfte, vorherrschend thätig ist. Wenn nun zwar dasTag- und Nachtleben wechselt und eins nachdem andern mit Übergewicht odervorherrschend auftritt, so darf man darum nicht glauben, daß diese Gegensätze reinvon einander geschieden wären; sie spielen vielmehr, wie alle Gegensätze, in einan-der und beschränken einander gegenseitig. So gibt es keinen Tag ohne Schatten,d. h. ohne Mischung von Finsterniß (dem eigenthümlichen Wesen der Nacht), undebenso wenig eine Nacht, die völlig lichllos wäre, indem z. B. für das empfindlicheAuge des Kakerlaken die dunkelste Nacht, in welcher ein gewöhnliches Auge Nichtsunterscheidet, nur tiefe Dämmerung ist. Und ebenso verhält es sich mit dem Tag-und Nachtleben, wovon keins rein für sich, ohne einige Mischung vom Gegentheil,vorhanden ist. Zum Beweise braucht nur aus das psychische Menschenleben in die-ser Beziehung hingewiesen zu werden. Das reinste psychische Taglcbcn wäre dasvollkommenste Selbstbewußtsein, ein grenzenloses Erkennen, welchem Alles durch-sichtig (vollkommen durchschaubar) sein würde. Ein solches gibt es aber nicht, dennauch dem hellsten Denker bleibt noch Vieles dunkel; zu seinen Gedanken gesellt sichdas Gefühl, an seiner intelligenten Thätigkeit nimmt oft die unwillkürliche Wirk-samkeit der Phantasie geheimen Anthe-'l, und die Triebfedern seines Handelns kanner sich selten aus der erkannten Natur seines Willens vollkommen klarmachen. Da-gegen hat auch der Traum noch sein schwaches Bewußtsein, und der Nachtwandler,obgleich in tiefem Schlafe begriffen, bewegt sich und handelt mit einer Art vo»Willkür. Da Tag - und Nachtleben Gegcnbilder von einander sind, so zeigen siesich oft in ihren Erttemm einander anr ähnlichsten. Der höher? Poch n a >n b r; -