Erster Abschnitt.
Geschichte der Ai-ronautik.
I^äaliis, dessen Name uns durch den griechischen Mythuszum Symbol künstlicher Arbeiten geworden ist, war ein SchülerMinervenö. Bildhauer, Baukünstler und Metallurg, schuf erWunderwerke. Einst verfiel er aber in die Ungnade des KönigsNiuos von Kreta, und wurde in das von ihm selbst verfertigtekretische Labyrinth eingekerkert. Doch seine Kunst sprengte auchdiese Fesseln. Er verfertigte sich Flügel von Wachs und Lein-wand , und entfloh damit glücklich den Händen des ihn in seinerrastlosen Thätigkeit hemmenden Feindes. Was also die Naturden Sterblichen unmittelbar versagt, ließ die sinnreiche Fabelden nachdenkenden Menschengeist mittelbar schaffen, und krönteso mit dem erstaunenswürdigsten Erfolge die Mühen künstleri-scher Bestrebungen, veellalim wurde — damit schien der My-thus den Gipfel seines künstlerischen Wirkens bezeichnen zuwollen — Acronaut. H Aber die Flügel, mit denen er überdie Gefahren des Meeres hinweg in weit entlegene Länder ent-eilte, gehören in die geistreich dichtende Mythenwelt, eine Welt,welche nicht selten nur solche Dinge mit schöpferischer Allgewaltvorbildet, die dem menschlichen Kunstfleiß erst nach Jahrtau-senden vergönnt ist, in die von Schwierigkeiten aller Art um-gebene Wirklichkeit einzuführen. Dazu gehört denn auch dasThema, womit sich vorliegende Broschüre befaßt, die Aero-nautik. Wollem wir daher in die Geschichte dieser Kunst ein-gehen, so müssen wir das von den leichten Schöpfungen desGenius bevölkerte Land der Dichtung verlassen, um auf denmühevollen Wegen natürlicher Wahrheit erkennen zu lernen,wie viele Schranken allmählig durchbrochen werden müssen.