II. Vergangenheit. i35
gesochtenen. Nun geschah, was nie ausbleibenkann, wenn es zu solchem Aeußersten gekommen;die Leidenschaften forderten, eine um die andere,sich heraus, Gewalt machte sich auf, um Gewaltabzutreiben, Tücke weckte Bosheit, und der Arg-list suchte plumpe Rohheit, so gut sie konnte, zu'begegnen. So konnte nimmer das Maß gefundenwerden, noch eine billige Mitte zwischen denen,die nichts gestatten mogten, und denen, die Alleszu fordern nach und nach gelernt. Die Habsucht,der nach den Kirchengütern gelüstete, hatte sichfrüh eingemischt, die neu entstandenen Interessendrängten auf ihre Gewahr in gänzlicher Trennung.So mußten die kampfenden Elemente, die sichnicht wieder vertragen konnten, nothwendig in ei-ner äußern Spaltung auseinander reißen, und esschied sich der Norden vom Süden. Man ließthöricht die Ideen entgelten, was die Menschenverschuldet hatten; die Reformation, im Eifer, al-les Brandichte bis zum Grunde abzulöscn, schnittin eiliger Hast in die gesunden Lebenstherle, dieihr dann aus der geretteten Wurzel nicht wiedertrieben. Die alte Kirche aber, verblutend aus vie-len Wunden, wurde stillstehend auf lange Zeit,weil mit der neuen Kirche der Trieb aus ihr ge-wichen. Und ganz Europa war nach den zweyRichtungen geschieden, und es gieng der Riß durch