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Sechstes Buch
Noch ist zu bemerken, daß sich nahe bei dem Calvarien-berge eine Kapelle befindet, welche der Opferung Isaaks ge-weiht ist. Man steigt auf 25 Stufen zu ihr hinauf undtrifft in ihr Mosaik. In der Mitte des Fußbodens ist einMarmorstein ein wenig eingesenkt, der die Stelle bezeichnensoll, wo Jsaak stand, als ihn sein Vater Abraham opfernwollte. Einige Schritte von dieser Kapelle unterhält manmit Sorgfalt einen kleinen Oelbaum, der auf der Stellestehn soll, wo der Widder, welchen Abraham anstatt seinesSohnes opferte, mit den Hörnern in einer Hecke hing.
Die Grabeskirche ist mehreren christlichen Confessionengemeinschaftlich, aber so, daß jede derselben einige Stattenin ihr ausschließlich besitzt, und daß die dienstthuenden Geist-lichen eines jeden Glaubensbekenntnisses ihre besondern Ge-mächer darin haben und ihre Geschäfte so verrichten, daßkeiner die Geistlichen einer andern Confessioä weder bei Tage,noch bei Nacht zu sehn bekommt. Die Römisch-katho-lischen Christen, welche durch die Franziskaner vertretenwerden, sind in dem Besitze des heiligen Grabes, des Sal-bnngssteins, der Kapelle der Krcuzheftung, der Kapelle derErscheinung und der Kreuzausfindung.
halte, lautet die Sage, so fand mau die drei Kreuze; da aber die Auf-schrift nicht mehr an dem Kreuze angeheftet war, sondern abgesondert ge-funden wurde, so konnte man Jesu Kreuz nicht von den beiden andernunterscheiden. Man suchte es daher durch seine Wirkung herauszufinden.Man brachte nämlich eine todtkranke Frau mit den drei Kreuzen nacheinander in Berührung. Zwei derselben äußerten keine Wirkung aus dieKranke; bei der Berührung des dritten aber wurde diese völlig hergestellt.Auch soll Lurch die -Berührung dieses Kreuzes ein Todter auferwcckt wor-den sehn. Das kostbare Holz wurde nun aufbewahrt und die KaiserinHelena schickte einen Theil davon ihrem Sohne Konstantin nach Konstan-tinopel. Dieser ließ es in eine eherne Bildsäule einschließen, die ihn selbstdarstellte und die in der rechten Hand eine goldene Kugel mit einen! Kreuzetrug. Jesu Kreuz wurde hierauf so hoch geehrt, daß, als der Kaiser He-rakiius es im siebenten Jahrhunderte von dem Persischen Könige Kosrocswieder erobert hatte, er es selbst denselben ganzen-Weg tragen wollte, denJesus unter der Bürde desselben zurückgelegt hatte. Allein da der Kaiserdieses, mit seinen kostbarsten Kleidern angethan, vollbringen wollte, so kamer nicht von der Stelle damit und schien von einer unsichtbaren Gewaltgehalten zu werden. Erst als er auf den Rath des Patriarchen einfacheKleider angezogen hatte, konnte er seinen Borsatz ausführen und es bisauf den Ealvaricnberg tragen. -Bon daher schreibt sich das Fest der Kreuz-erhöhung, daß man den 14. September i» der katholische» Kirche feiert.