Reisen Jesu der ersten Periode rc. 153
. dessen Mutter die Kaiserin Helena nach Palästina und gabensich alle Mühe, die den Christen ehrwürdige Oerter, mit Hülfeder noch vorhandenen Sagen, wieder aufzufinden und auf eineangemessene Weise auszuzeichnen. Solcher heiligen Oerter gabes zur Zeit des Kirchenvaters Hieronymus, der sie mit derheiligen Paula besuchte, so viele, daß man sie nicht alle ins/ einem Tage besuchen konnte. Seit jener Zeit hat Jerusalemi viele und große Veränderungen erlitten, weil die Stadt in! verschiedene Hände kam. Als sie im Mittelalter fast hundertz Jahre hindurch von christlichen Königen beherrscht wurde, ge-schah Alles, um die heiligen Oerter zu erhalten und auszu-zeichnen; und als die Stadt den Mohamedanern wieder indie Hände siel, so erhielten diese einen Theil jener Oerter,um dadurch Gewinn von den Christen zu ziehn, die für dieErhaltung derselben einen bedeutenden Tribut entrichten müssen.
Die Stadt liegt in einer öden und todten Gegend amAbhänge eines hügeligen Kalkgebirges nach Morgen zu, wodas Auge nichts als graue Felsen erblickt und wo es fast ganzan Wasser mangelt. Auch jetzt macht sie beinahe ein Viereckaus; allein die Mauern ziehen sich nur auf der Morgenseiteziemlich in gerader Richtung hin, auf den andern Seiten sindsie sehr unregelmäßig. Die jetzige Ringmauer wurde nach dendaran befindlichen Inschriften von Soliman dem Sohne Se-' lims im Jahre 1534 erbaut. Sie besteht aus großen Qua-! dersteinen, ist an einigen Stellen 30, an andern 40 Fuß hoch,
^ 30 Fuß breit und hat in gewissen Zwischenräumen bald vier-i eckige, bald runde Thürme, die eine Höhe von 120 Fuß ha-, den. Auf der Abendseite, nicht weit vom Bethlehemerthore! befindet sich ein Kastell, das aus einem großen und mehreren^ kleineren viereckigen Thürmen besteht, einen ansehnlichen Gar-^ ten hat und mit einem Wasserleeren Graben umgeben ist. Esscheint sehr alt zu seyn und wird das Schloß der Pisa-ncr genannt, weil es zur Zeit der Kreuzzüge von den Pi-' sauern erbaut worden seyn soll. In neuerer Zeit hatte escinen Aga mit 60 Mann als Besatzung.
Das Innere der Stadt ist unfreundlich und schmutzig.Die Straßen sind uneben, meistentheils ziemlich enge, außerwo sich mit Trümmer angefüllte Plätze befinden; sie haben