— ZI8 —
versinke, was einst herrlich war. Und so könnt Ihralle Zeitalter durchgehen, von welchen die Geschichteuns verbürgte Nachrichten aufbewahrt hat: keinesfindet Ihr von Lastern frey. Bald sind es die Lasterder Rohheit und bald die Laster der Verfeinerung,die die Menschheit schänden. Jeder herrschende Geistder Zeit ist auf die Eine oder andre Art mit dem La-ster einverstanden, hat seine eignen Versuchungen,Beyspiele, Bedrängnisse und Antriebe. Ihr treffetentweder den Aberglauben, oder den Unglauben,entweder die Noth, oder den Ueberfluß, entwederden Ucbermuth der Frepheit, oder die Erniedrigungder Knechtschaft, entweder die Stille des ruhigen Le-bens, oder den Sturm großer Bewegungen für dasLaster in Thatigkeit. Immer hat man über das Ver-derben der Zeit Klagen gehört; immer haben dieWeisen einmüthig geseufzt: wer will einen Reinen fin-den bey denen, da keiner rein ist! sie sind allzumahlabgewichen und untüchtig worden. So viele Anstal-ten Gott auch traf, dem Laster zu steuern; so vielefreymüthige Lehrer auch dagegen eiferten; so viele ed-le Menschen auch in hohem sittlichem Ernste als Mu-ster ihrer Zeit vorleüchtetcn: immer machten die, diesich vom Laster frey hielten, die kleinere Zahl aus-Kein Alter ist vor ihm gesichert. Von der Wiege bisanö Grab sind wir von seinen gefährlichen Reihungenumringt. In jedem Lebensabschnitte gibt es Umstan-de, die das Laster begünstigen, anpreisen, und ihmEingang verschaffen. Jünglinge, Männer und Greiseerblicken wir in seinem Gefolge. Mit wilder Gewalt