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falsche Urtheile über Menschen, daher das schreyendeUnrecht, was oft denen am meisten angethan wird,die man am meisten mit Achtung behandeln sollte.Wer nicht laut ist, wer sich nicht hervor drangt, wermit seiner Tugend kein Gepränge treibt, gilt gewöhn-lich nichts, und muß oft den Tadel und die Verachtungder Welt dulden. Wer sich mit fremdem Verdienstezu schmücken, seine Geistesarmut^ und seine Schandezu bedecken, seine niederträchtigen Gesinnungen ge-heim zu halten, die Sprache der Frömmigkeit zu re-den, und seinem Eigennütze den Schein der Tugendzu geben weiß, der wird hervor gezogen, bewundertund gefeyert. Ist es denn eine so leichte Sache, überMenschen zuurtheilen, ist das Wort, ist die That schonhinlänglich, daraus das Innere zu erkennen; das oftdamit im größten Widerspruche steht? Ist das: dannsind alle die Einrichtungen und Anstalten überflüssig,wodurch die Gesinnungen der Menschen erst an denTag gebracht werden sollen; dann ist es nicht nöthig,die Aufmerksamkeit des Beobachters auf sie zu lenken,ihnen so vielfache Veranlassung zu geben, ihre Gesin-nungen zu zeigen, und sie mit Gewalt ans Licht zuziehen; dann ist es überflüssig, daß wir verwiesenwerden, zu warten bis der Herr kommt. Und wür-den dann wohl Ereignisse und Schicksale uns denMenschen so oft in einer ganz andern Gestalt erschei-nen lassen, als worin er dem ersten Blicke erschien?Würden wir dann so oft erstaunen müssen über dieEntdeckungen welche die spätere Zeit herbey führt?Wahrlich es gehört sehr viel dazu, richtig zu bestim-