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271
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2?I

Nicht alle Gesinnungen der Menschen können sichzu jeder Zeit vn den Tag legen, es müssen besoudreGelegenheiten dazu da sepn; und diese werden durchbesondre Ereignisse herbei) geführt. Darum bleibtuns an Menschen, mit denen wir lange Umgang Hat-ten, noch vieles verborgen, weil wir sie nicht in derLage sahen, wo sie dieö äußern konnten. Ob jemandaufbrausend, heftig, rachgierig sey, das erfahren wirerst dann, wenn sich etwas ereignet, das ihn krankt,und wenn er von Menschen schwer beleidigt wird. Objemand Hang habe zu sinnlichen Ausschweifungen, daserfahren wir erst dann, wenn er in den Stand gesetztwird, sich ihnen zu ergeben. Ob jemand geneigt sey,seinen Vortheil auf jede Weise zu bewirken, das er-fahren wir erst dann, wenn sich ihm unrechtmäßigeMittel anbiethen, wenn er List und Gewalt brauchenkann. Ob jemand Starke habe, das Unglück imGlauben an Gott getrost zu ertragen, sich um seinerPflicht willen großen Gefahren bloß zu stellen, undunter schweren Anstrengungen auszuhalten, das er-fahren wir erst dann, wenn irgend eine Begebenheitihn ins Gedränge führt, wenn sich Bedenklichkeitenum ihn sammeln, wenn Hindernisse ihn zum Kampfeauffordern.

Eigne Vorfälle müssen darüber entscheiden, obunsre Liebe zur Tugend rechter Art, oder bloß auf dieVortheile derselben gerichtet war, ob wir das Lasterwirklich verabscheuten, oder es nur um der Verlegen-heiten und Unannehmlichkeiten willen, die mit dem-selben verknüpft sind, bisher mieden. Wenn wir