158
über muß heute bcp uns entschieden werden: denn vonder Beschaffenheit unsrer Grundsätze hängt unser gan-zer Werth und unsre ganze Wohlfahrt ab. Darumsäumet nicht darnach zu fragen.
Erst dann, wann wir hierüber entschieden haben,sind wir auch im Stande, die Nichtigkeit unsrerGrundsätze zu beurtheilen.' Wir müßten unSselbst ganz verkennen, wir müßten die Würdevernünftiger Geschöpfe verlaugtten, auf alle Vor-züge, die uns, eben so ehrenvoll als beglückend, auö-zeichnen, Verzicht leisten; wir müßten den entschci-denstcn Zeugnissen- unsers Bewußtsenns widersprechen:wenn wir im Stande waren, den Grundsätzen eigen-nütziger Klugheit vor denen der Rechtschaffenheit denVorzug zu geben; wenn eS nicht bey uns ausge-macht wäre- diese unbedingt zu billigen, und jene sooft zu verwerfen, als sie mil denselben in Streit gc-rathen. Haben wrr uns indeß auch im Ganzen zuden Grundsätzen, der Rechtschaffenheit bekannt: si>bleibt es doch möglich, daß wir in der Anwendungderselben auf besondre Falle durch Vorurtheile irregeleitet, durch den Schein und unsre Kurzsichtigkeitbetrogen wurden, unsrer Trägheit oder unfern Lei-denschaften einen ungebührlichen Einfluß auf siever-statteten. Sehet da, worüber wir uns heute prü-fen müssen: ob die Grundsätze der vermeynten Recht-schaffenheit, zu welcher wir uns bisher bekannt haben,auch wirklich Grundsätze der Rechtschaffenheit sind»ob sie mit den Forderungen unscrö Gewissens undmit dem geoffenbarten Gesetze Gottes übereinstim-