55
Zuversicht sehen wir sie nicht selten mitten unter ihrenFeinden und selbst vor den Richterstühlen derselbenstehen. Aber, daß sie diese Gewalt ganz und immerbehaupte, daß keine Drohung sie erschüttre, daß sievor keiner Gefahr erbleiche, daß sie die härtesten Be-schuldigungen und die unverschämtesten Lügen, daß sieselbst ihre Verurtheilung ruhig anhöre, dazu muß derGlaube sie stärken: Mein Zeuge wohnt im
'Himmel, und der mich kennt in der Höhe.Welche Vorzüge besitzt hier der Christ. Er weiß,daß er überall unter dem Schutze Gottes steht, daßohne und gegen den Willen desselben kein Menschetwas an ihm vermag, und daß einst alles ans Lichtkommt. Ihm ist es ein Geringes, von Men-schen gerichtet zu werden, weil Einer ist,der da recht richtet. Er hat das Beyspiel Jesuvor sich, der die empörendsten Beschuldigungen ruhigertrug, den die schreiendste Ungerechtigkeit zu einemqualvollen und schimpflichen Tode verdammte, undder doch seinen Mund nicht aufthat, dann aber auchvon Gott selbst auf die ausgezeichnetste und ehrenvollsteArt gerechtfertigt wurde. Lasser den Christen, der sichseiner gerechten Sache und treu erfüllter Pflicht be-wußt ist, von der Welt verspottet, von dem Neideverlästert, von dem Blutdurste vor seine Richterstühlegefordert werden: Ihr werdet in edler Furchtlosig-keit sein Angesicht sehen, wie das Angesicht ei-nes Engels.
In einer treffenden, muthvollen und seinen Ver-klägern ans Herz greifenden Rede vertheidigt sich