- 3 ? -
wovon aber das Herz des Sterblichen nicht vermögesich loszureißen? Welche Ausflüchte bleiben uns aberübrig, wenn er Mensch war wie wir, und als Menschdiese Vollkommenheit zeigte? Nicht die Majestätdes Gottessohnes , nicht der Glanz einer überirdischenWürde — nein, die Liebenswürdigkeit, die stilleGroße, die Sanftmuth und Demuth des Menschen-sohnes war es, was jene einfachen Menschen, dienachher seine Herolde wurden, zuerst anzog, und ihmihre Herzen gewann. Das war es aber auch, wasauf ihre Herzen so mächtig wirkte, und aus ihnenSchüler bildete, die seiner würdig waren.
Sollten wir ihn aber ganz und mit vollem Rech-te als unfern Erlöser preisen: dann mußte er sich unsauf der andern Seite auch darstellen als-Hen SohnGottes. Nur der Sohn Gottes, in dem Sinne, wiees Jesus Ehristus war, konnte uns diese reinen underhabenen Belehrungen geben, uns über den Rath-schluß Gottes ganz untrügliche Auskunft geben. Nurvon ihm konnten wir zuverlässig erfahren, wie dasHeil des unsterblichen Geistes zu gründen und zu beför-dern sey/ und was nach dem Tode des Körpersaufuns warte. Nur er besaß das nöthige Ansehen, umüberall Glauben zu fordern. Nur er konnte uns überunser Verhältnis mit Gott beruhigen, und uns versi-chern, daß der Rechtschaffene mit Gott versöhnet sey.Der Sohn Gottes allein vermochte es, ein entartetesund versunkenes Geschlecht zu retten, und aus denAbgründen seines Verderben zu reißen. Er allein warim Stande, uns an sich selbst die Tugend in einer Voll-