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4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
622
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S22 Ueb

Das Uebliche. Costuule.

(Schöne Künste.)

^st in Vorstellungen, die aus derGeschichte der Volker genommen sind,das Zufällige, in sofern es durchdie allgemeine Gewohnheit des Volksund dcrZeit, woraus der Gegenstandgenommen ist, bestimmt wird; oderdaö, was mit den Moden und Ge-brauchen der Volker und der Zeilenübereinkommt: wenn Romer alsRömer, Griechen als Griechen, ge-kleidet sind, römische und griechischeGebrauche beobachten, und über-haupt in dem wahren Charakter ihrerZeit vorgestellt werden, so sagt man,das Uebliche sey dabei) beobachtet.

Die Beobachtung des lieblichen istbisweilen nothwcndig, allezeit aberschiklich. Nothwcndig kann sie inGemahlden werden, weil sie oft dasbeste Mittel ist, dcnJnhalt des StüksHenau zu bezeichnen. Man erkenntoft aus dem lieblichen sogleich dasVolk, die Zeit, den Stand der Per-sonen, und dadurch den Inhalt.Schiklich ist es überall, weil es derVorstellung Hilst, wenn man sich indie Sitten der Zeiten setzet, und weilÄuch die Neuigkeit, die das Ueblicheeiner Vorstellung aus entfernten Zei-ten oder Orten giebt, die Slufmcrk.samkeit reizet. Grobe Fehler ge-gen das Uebliche sind sehr anstößig.Unter den Mahlern hat keiner schwe-rer dagegen gesündiget, als Paulder Veronefer, der die JüngerChristi allenfalls in Kleidern, dieden spatern Mönchsorden eigen sind,vorstellt. Selbst der große Raphael,der sonst in allen Stäken soviel Ver-stand zeiget, ist nicht von Fehlerngegen das Uebliche frey. Er hateine heilige Familie in einem Stallgemahlt, der mit corinthischen Säu-len ausgeziert ist.

Der Mahlcr ist aber nicht der ein-zige Künstler, der sich an das Ucbli»che zn halten Hätz sie müssen eS alle

U e b

thun, wo sie Dinge aus der Geschichtefremder Völker vorstellen. Es isteben so anstößig, wenn die französt.schen Trauerspicldichter einem Königvon Sparta oderN?)-ccne den Pompund die Sprache eines persische»,oder eines heutigen großen Monai»chcn bcylegen, als wenn ein Mahlcrahnliche Fehler begebt.

In der Aufführung der Trauer,spicie ist es ungereimt, die alten Hel.den Roms und Griechenlandes i» dergothlschen Tracht, aus deu Zeiten dcrirrenden Ritter, oder ihre Gcmah.liuucn in großen Fischbeinrökcu zusehen. Ich möchte zwar hierin keinepedantische Genauigkeit empfehlen;denn die Schaubühne hat nicht denZwek, uns in alten Moden und Ge-brauchen zu unterrichten: aber dasUebliche muß dost) nicht bis zur Be-leidigimg übertreten werden; weil indiesem Falle die Zuschauer, die Keunt-niß dcr Sachen haben, in ihrer Auf-merksamkeit auf die Hauptsachen ge-stört werden.

Es gehöret aber weitläuftige histo-rische Kcmitiiiß dazu, wenn der Kunst-ler das Uebliche überall beobachtensoll. Doch werden auch die Hülfs.mittel dazu nach und nach allgemei.ner verbreitet. Die Kenntniß dcrgriechischen, römischen und andrerNationalalterthümer hat sich bereitsziemlich weil in das lesende Publikumausgebreitet; und es würde gegen-wärtig keinen sehr großen Aufwanderfodcrn, zum Gebrauch der Kunst-schulen fast alles zusammen zu brin-gen, was zum Unterricht in demÜcblichcn der berühmtesten alten Völ-ker erfodert wird.

Dcr Herr von Hagedorn hat inseinen Betrachtungen über die Mahle»rcy eine artige Wendung gewählt,seine Gedanke» über die Wichtigkeitdieses Punkts an den Tag zu legen,da er den Abschnitt, der davon ha»«delr, Erinnerungen an das lieb-lich« überschrieben hat. Dadurch