Druckschrift 
4 (1794) [R - Z]
Entstehung
Seite
395
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S i n

klein es ist, wichtig werden. Wel-ches wolgeartctc Frauenzimmer wirdohne Rührung diese vier Verse vonBester lesen;

Dies ist das sittsame Gesicht;

Dies ist die Dario, die Geliebte,

Die ihren Canitz eher nicht,

SttS nur durch ihren Tod betrübte.

Die Wichtigkeit des lobenden undspottenden Sinngedichts ist zu offen-bar, als daß wir uns dabei) aufhal-ten sollten. Und wie leichtsinnigmüßte der nicht seyn, der das vorherangeführte Sinngedicht auf den Eck-tet , ohne heilsamen Eindrnk davonzu fühlen, lesen konnte: Dies istApikret, ein Sklave, lahm undhch-hst arm, a'^cr ven Gatternrverch.

Es lassen sich aus allem angeführ-ten, auch ohne mühsames Nachden-ken, die vornehmsten Eigenschaftendes Sinngedichtes abnehmen. Manfindet sie in den angeführten Anmer-kungen unsers A.essings gründlichauseinandergesetzt. Wir begnügenuns also, die Hauptsachen ganz kurzanzuzeigen.

Da dieses Gedicht das kleineffc vonallen ist, so leidet es auch nicht dengeringsten Flcken. Gedanken undAnsdrüke müssen vollkommen be-stimmt, vollkommen richtig und pas-send seyn. Der Gegenstand muß mitwenigen, aber meisterhaften Zügenso gezeichnet seyn, daß wir ihn schnell,nach seiner Seltenheit, oder Wich-tigkeit, und in dem ihm zukommen-den Ton der Farbe, ins Auge fassen.Und wie bey würklichen Denkmalendie Einfalt eine Hanpttngend ist, somuß auch hier nichts mit Zierrathenverbrämt, viclwenigcr überladen seyn.Man kann das, was wir über dieBeschaffenheit des Denkmals gesagthaben leicht hierauf anwenden.

Das Prädicat, oder was die Auf-schrift vorstellt, muß uns die Sache

S. Denkmal.

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in einem völlig interessanten Acht zei.gen, es fcy als besonders gut oderbos, oder blos selten, oder poßirlich.Wir müssen nothwendig dadurchüberrascht, oder doch stark angegrif-fen werden. Dazu wird Kürze,Nachdruk, oder naive Einfalt, oderWitz, oder seltsamer Contrast, aberallemal der vollkommenste Ausdrukerfodcrt.

Und hieraus laßt sich abnehmen,daß dieses kleine Gedicht einen Mei-ster in Gedanken und Ausdruk erfo-dcre, und nichts weniger, als dasWerk eines gemeinen Reimers sey.

Aus dem Alterthum haben wirviele sehr schone Sinngedichte in dmbcydcn griechischen so genannten An-thologien. Aber der Hanptepigram-matisi, der diese Dichtart besondersund einzig getrieben hat, ist Martia-lin. Unter uns haben sich Ä.ogauund Wcrnike vorzüglich in diesemFache gczeiget; und der letztere be-sonders konnte vorzüglich gencnntwerden, wenn die Frage vorkäme,wie weit es die Deutschen in dieserArt gebracht haben: obgleich zu sei-ner Zeit der deutschen Sprache derleichte und geschmeidige Ausdruk, densie zu unfern Zeiten bekommen hat,Noch fehlte. -Hagedorn hat in dieser,wie in mehrern Arten, auch in Anse-hung des vollkommenen Ausdruks,hierin den Deutschen die ersten Mu-ster gegeben. Hier und da laufen ei-nige Sinngedichte von Rastner her-um, ans denen man abnehmen kann,daß dieser durch ernsthaftere Arbeitenberühmte Mann alle seine Vorgangerin dieser Art würde übertroffen ha-ben, wenn er sich vorgenommen hat-te, das Sinngedicht zu seinem Fachezu wählen.

Von licm Sinngedichte handeln beson-der» in lateinischer Sprache: Th. Cor-res (iderncneopoemsris Zcncrc yuollLpigrsmms vulgo äicirnr, Ven. 156?. 4.

Lon.