Druckschrift 
Das Geschlecht von Bismarck
Entstehung
Seite
359
Einzelbild herunterladen
 

s. Der Güterbesitz des Geschlechts

259

ganze Gegend wieder unsägliche Leiden auszustehen. Als die Kaiserlichen unter Pikkolomini die Altinark verlassen hatten, zog Torstensonvon Salzwedel und Werben her auf einer über den Strom geschlagenenSchiffbrücke durch den Jerichoschen Kreis nach der Lausitz. Auf diesemMarsche äscherten schwedische Heerhaufen „trotz des zwischen Branden-burg und Schweden geschlossenen Waffenstillstandes Havelberg bis aufdie Kirchen ein und verwandelten die schönen Schlösser und adligenHäuser zu Neuermark, Hohengöhren und Schönhausen in einen Schutt-haufen". (Nach anderer Überlieferung haben kaiserliche Truppen Schön-hausen und die benachbarten v. Katteschen Güter in Asche gelegt.)Durch den früheren Brand von Schönhausen war das Schloß offenbarnur im Innern zerstört worden. Auch waren im Laufe der Jahreeinzelne Häuser wieder aufgebaut. Der damalige Pfarrer berechnet20. November 1642 den Erlös des Kupfers von den verbranntenSpritzen. Wäre der erste Brand ein totaler gewesen, so hätten dieSoldaten das Kupfer sicherlich an sich genommen. Nur der Schloß-schornstein und die Kirche blieben nunmehr vom Dorfe übrig. Die großeGlocke stürzte vom Gebälk herab, um nie wieder zu ertönen, und derTurm erhielt einen mächtigen Riß. „Der Kirchturm, der alte, tief in derBrust die klaffende Spalte wie ein verwundeter greiser Held. Aber erwankt nicht im Sturmesbrausen, mutig steht fest der Turm von Schön-hausen, weithin beherrschend das weite Feld."

Ende 1643 zog Torstenson wieder durch den Jerichoschen Kreisnach Holstein und Jütland. Der kaiserliche General Gallas eilte miteinem starken Heere den Dänen zu Hilfe und wählte 1644 wiederumTangermünde zu seinem Hauptquartier, bis er sich nach Magdeburgwendete. Bon nun an blieb die Gegend von der Kriegsfurie verschont.

Kriegshaufen aller Nationalitäten waren durch Schönhausen hin-durchgezogen. Die Führer der verschiedensten Armeen hatten im be-nachbarten Tangermünde ihr Hauptquartier gehabt. Das Land warverwüstet, weit und breit war kein Vieh anzutreffen, von 48 Bauer-stellen in Schönhausen war eine einzige besetzt, zehn Jahre lang hatteder Ort keinen Prediger und Lehrer. 1651 heißt es im Kirchenbuche:„In diesem Jahre ist nichts Sonderliches in der Kirche vorgegangen,weil des schweren deutschen Krieges halber das Dorf noch wüste." Bei