54
Or. Gg. Schmidt, Das Geschlecht von Bismarck
Die Permutation vom 16. Dezember 1362.
Von jeher waren die Hohenzollern Freunde des Weidwerkes. EinWaldrevier, welches von Tangermünde bis nach Gardelegen sich er-streckte, wie es um Burgstall herum lag, dessen Besitzern außer derMitjagd allerlei Berechtigungen zustanden, mit dein stärksten Wildstandin der Mark, übte immer von neuem eine große Anziehungskraft aus.Johann Cicero (im Mai 1494), Joachim Nestor (1495), JoachimHektar und der Kurprinz Johann Georg pflegten in Burgstall abzu-steigen, und so entwickelten sich durch die Jahrzehnte hindurch freund-liche Beziehungen zwischen den angestammten Herren und ihren getreuenVasallen. 1555 kam es dem Kurprinzen Johann Georg, einem eifrigenJäger vor dem Herrn, in den Sinn, auf einem von der Familiev. Alvensleben erkauften Gehöfte das Jagdschloß Letzlingen (früher Netz-lingen) anzulegen, und sehr bald sing er an, die Grenzen und Rechteseiner früheren Wirte einer genauen Prüfung zu unterwerfen und aufmancherlei Art zu schmälern. Da er sich gern in Letzlingen aufhielt,denn er pflegte den kurfürstlichen Hof zu meiden, so war sein Strebendarauf gerichtet, zur Abrundung seines Jagdreviers Grundstücke von denbenachbarten Edelleuten anzukaufen, und so ergaben sich denn bald mitden Besitzern von Burgstall Grenzstreitigkeiten, welche sogar in Tätlich-keiten zwischen den Letzlinger und Burgstaller Hirten und Jägern aus-arteten. Wohl mochte auch manchmal auf der kurprinzlichen Wildbahnvon einem Bismarckschen oder auf der Burgstaller Flur von einemLetzlinger Schützen ein stattlicher Vierzehnender oder ein das Herz jedesNimrods erfreuender Keiler erlegt worden sein. Aber das berechnetvexatorische Treiben des Kurprinzen ist nicht anders als mit einer be-stimmten Voreingenommenheit zu erklären, welche er gegen die Besitzervon Burgstall wegen eines zwischen ihnen und dein kurfürstlichen AmtTangermünde schwebenden Streites hegte. Derselbe begann 1548 damit,daß die v. Bismarck zur Nutzbarmachung der Wüstung Ostermarke einVorwerk und eine Schäferei errichteten, während der Markgraf Friedrichauf den Bericht seines Kanzlers gegen den Bau, durch welchen diebenachbarten Vorwerke unter dem Amt Tangermünde in ihrer Trist-gerechtigkeit geschädigt werden würden, Widerspruch erhob und die Fort-