Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
693
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khatigen, nach Würksamkcit dursti-gen Menschen, sind das, wozu dieNatur uns hat machen wollen. Al-so besieht der größte Werth des Men-schen in einer «erdichten würksamenSeele. So wie aber die Kräfte desstärksten Korpers durch Ruhe undMüßiggang erschlaffen, da ein Menschvon mittelmäßigen Leibeskräftendurch beständiges Arbeiten stark wird:so werden auch die Nerven der Seeledurch bloßen Genuß gleichsam ge-lähmt. Dieses Einschlafen aberkönnen die schonen Künste hindern,wenn sie uns durch interessante Ge-genstände zur Würksamkcit reizen.Dadurch allein leisten sie uns schoneinen sehr wichtigen Dienst.

Auf das vollkommenste aber er-füllet der Künstler die Pflichten sei-nes Berufs, wenn er die gereiztenKräfte der Seele zugleich vortheilhafrlenket; wenn er uns jederzeit fürRecht und Tugend intercfsirt. Hin-gegen handelt er auch verrätherischan dem Menschen, wenn er aus Muth-willen, oder aus verkehrtem Herzen,oder auch blos ans Unverstand, denwürkcndcn Kräften eine schlechte Len-kung giebt. Dieses ist der Fehler,den man mit Recht dem Möllereund noch andern comischcn DichternSchuld giebt, die nur gar zu oft die'Zuschauer für die Bosheit oder fürdas Laster interessiren.

Wer andre rühren will, sagen dieKunstrichtcr, der muß selbst gerührtseyn; mit eben so viel Grund kannman sagen, daß der, welcher ein in-teressantes Werk machen will, einewürkfamc intercssirte Seele habenmüsse. Vergeblich würde man einemüberall kastsinnigen und blos zumBetrachten aufgelegten, oder einemblos nach Genuß schmachtenden Men-schen zurufen, er soll interessant seyn.Er wird die Würksamkcit unsersHer-zens nicht rege machen, wo er nichtselbst mit Wärme Theil nimmt.

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Künstler, denen eine liebliche Ge-gend, und ein sanstwehcndcr Zcphnrwichtigere Gegenstände sind, als Be-rathfchlagungcn, oder Unternehmun-gen , bcy denen die würkcndcn Kräf-te ins Spiel kommen, können nichtsehr interessrcn. Dazu gehört einewürkfamc Seele, die gern selbst han-delt, und an andrer Handlung Au-theil nimmt; die sich eine Angelegen-heit daraus macht, überall Ordnungzu bewürfen und Unordnung zu hin-dern; die leicht Feuer fängt, wo sichdie Gelegenheit zeiget, das Gute zuthun, oder etwas Böses zu hinter-treiben; die nicht nur ihre eigenen,sondern auch fremde Angelegenheitenfühlt, oder der vielmehr Nichts,was andre Menschen angeht, fremdist; die, wie Haller es edel ansdrükt,fiel? i» jedem andern findet. Miteinem Worte, der Künstler, der in-teressant seyn soll, muß jede allge-meine und besondere Angelegenheitder Menschen zum Hauptgegenstandseines bcschäffrigtcn Geistes gemachthaben. Dadurch kommt ihm selbstalles interessant vor, und denn ister im Stand auch uns in sein In-teresse zu ziehen. Ein neuerVeweis,daß der große Künstler ein Philo-soph und ein rechtschaffener Man»seyn müsse-

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Ausführlicher, und vortrcflich, ist dieseMaleric behandelt in den Gedanken überdas Jntcrcssircnde, im i-ten Bde. derNeuen Vidi. der sch. Wifsensch. von C.Garve, verm. in der Samml. f. Abhand-lungen, Lcipz. i ?7S- 8. S.-;z. Fer-ner handelt davon I. Riedel, im lötenAbschn. f. Theorie der sch. Künste, S. z-4.der ilen Aufl. I. C. König im >7tcnAbschn. s. Philosophie der sch. Künste, S.44? (welcher das für anziehend erklärt,wovon wir uns nur mit Mühe und Zwanglosreißen können.) C. Meiners, imloten Cap. s. Grundr. der Theorie undXx z v Gesch.