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2 (1792) [E - J]
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Es giebt Gegenstände, diewirmiteinigem Vergnügen betrachten, ohnestarken Antheil daran zu nehmen.Wir sehen sie als ergötzende Gcmähl-de vor uns, und beobachten das,was sich darin verändert, als bloßeZuschauer, denen es einigermaßengleichgültig ist, wie die Sachen lau-fen, wenn nur nichts widriges ba-ll ey geschieht. So sieht ein müßigerMensch aus seinem Fenster auf dieherumwandelndcn M.ensehcn herun-ter, und ist zufrieden, wenn nur im-mer etwas Neues vor sein Gesichtkommt. In dieser Fassung lesen wirauch bisweilen Beschreibungen vonLändern, oder Erzählungen von Ge-schichten, an denen wir weiter kei-nen Antheil nehmen, als daß wiruns dabcy die Zeit vertreiben. Vondergleichen Dingen sagt man nicht,daß sie interessant scycn, weil sie alsSachen angesehen werden, die unsrePersonen, oder unfern Zustand, wei-ter nichts angehen.

Es kann auch scyn, daß Gegen-stände dieser Art ziemlich starken Ein-druk auf uns machen, ohne darumim engen Verband interessant zuscyn. Die Vorstellungen, den denenwir uns größtentheils leidend ver-halten, wo wir blos genießen, dieSachen seyen gut oder böse, sindnoch nicht von der interessanten Art.Man kann uns freudig, traurig,zärtlich, wollüstig machen, und unsdurch dergleichen Empfindungen an-genehm unterhalten, ohne uns leb-haft zu interessiren. Wir nehmenalle diese Eindrücke gern an, weil sieunterhaltend sind, oder uns gleich-sam angenehm einwiegen: aber wirfinden uns dadurch in keine merk-liche Würksamkeit gesetzt; es würdeuns alles eben so gefallen, wennauch die Empfinduugen anders, alstvärklich geschieht, auf einanderfolgten.

Wenn uns aber Gegenstände vor-kommen, die unsre Würksamkeit auf-

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fodcr»; wobey wir uns als mir-würkende Wesen zeigen; bey denenwir Entwürfe machen; die Wünsche,Furcht und Hoffnung in uns erwc-ken; wo uns datan gelegen ist, daßdie Sachen gewisse Wendungen neh-men, und wo wir uns wenigstens inGedanken rhärig erzeigen, etwas zudem Fortgange der Sachen beantra-gen: alsdenn werden diese Gegen-stände interessant gcncnnt.

Das Interessante ist die wichtigsteEigenschaft ästhetischer Gegenstände,weil der Künstler dadurch alle Ab-sichten der Kunst auf einmal erreicht.Erstlich ist er versichert uns dadurchzu gefallen. Denn ob es gleich schei-net, daß der ruhige Genuß angeneh-mer Empfindungen der erwünschtesteZustand sey, so zeiget sich doch beynäherer Untersuchung, daß die in-nere Würksamkeit, oder Thärigkeit,wodurch wir uns selbst, als frcyeaus eignen Kräften handelnde Wesenverhalte», die erste und größte Ange-legenheit unsrer Natnr sey. DieseWürksamkeit ist der erste, wahreGrundtrieb unscrs Wesens, der Ei-gennutz, oder das Interesse, welcheseinige Philosophen zur Quelle allerHandlungen machen. Also kann derKünstler uns durch nichts mehrschmeicheln, uns durch nichts mehrgefallen, als wann er uns durchinteressante Gegenstände in Würk-samkeit setzet. Jeder Mensch wirbgestehen, daß die glücklichsten Tageseines Lebens diejenigen gewesen sind,wo seine Seele die größte Würksam-keit geäußert hat.

Noch wichtiger werden interessanteGegenstande dadurch, daß sie über-haupt die innere Würksamkeit desGeistes, die eigentlich den Werthdes Menschen ausmacht, vermehren.Nicht die sanften, seligen, enthusia-stischen Seelen, die nach dem ruhi-gen Genuß innerer Wollust, wennsie auch noch so himmlisch wäre,schmachten; sondern die lebhaften,