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I.
Jambus.
(Dichtkunst.)
^st cm zweysylbiger Fuß, dessenerste Sylbe kurz, die andre langist, wie in den Wörtern gesagt, ge-lban. Verse, die aus solchen Füßenbestehen, werden jambische Verse ge-ncniit, und diesen Namen behaltensie, wenn gleich in einigen Versenetwa ein Fuß anders ist. Die deut-sche Sprache besitzt einen großenReichrhum an zweysylbigcn Wör-tern, die reincJambcn sind; zugleichhat sie viel Wörter, die sich mit kur-zen Sylben endigen, und viel diemit langen anfangen. Daher kommtes, daß die jambischen und trochai-schen Vcrsartcn die gewöhnlichsten inder deutschen Dichtkunst sind.
Man sollte denken, daß ein Ge-dicht, in dcni mau fast durchgchcndsnichts als Jamben höret, ungemeinmonotonisch seyn mußte: gleichwolhaben wir lange Gedichte in dieserVersart, in denen der Ton oder Falldes Verses nicht langweilig wird.Man hat verschiedene Mitte! solchenVersen das Mönotonische zu beneh-men. Mai: kann ihnen eine Ver-schiedenheit der Lange, oder der An-zahl von Füßen geben, wie in fol-gender Strophe:
So jemand spelcht: ich liebe Gott,Und haßt doch seine Brüder;
Der treibt mit Gottes Wahrheit SpottUnd reißt sie ganz darnieder.
Gott ist die Lieb' und will, daß ick)Den Nächsten liebe gleich als mich.
Die vier ersten Verse sind wechsels-weise vier-und dreyfüßig, und demdreyfüßigen ist eine kurze Sylbe am
Ende angehängt; auf diese vier Ver-se folgen wieder zwei) gleiche vier-füßige. Wenn man nun bedenkt,daß der jambische Vers eine Langevon einem bis anfscchsFüße haben,und daß er entweder ganz aus Jam-ben bestehen, oder am Ende eine an-gesetzte kurze Sylbe haben könne: sobegreift man leicht, baß eine großeMannigfaltigkeit von jambischenVcrsartcn für die lyrische Dichtkunstkönne erdacht werden. Für epischeund dramatische Gedichte halt esschon schwerer blos jambische Versezu brauchen ohne langweilig zu wer-den. DieMonotonie unsers alcxan-drinischen Verses hat unsre neuenDichter vermocht zum epischen, Ge-dicht den Hexameter zu brauchen.Für dasDrama hat man einen fünf-füßigen jambischen Vers versucht,dem man sowol die Fesseln des Reims,als den Abschnitt genommen hat.Dadurch nähert sich das Sylbcn-maaß der ungebundenen Sprache;aber es verliert zugleich auch den ab-gemessenen Abfall fast ganzlich, woder Dichter nicht außerordentlicheSorgfalt anwendet, schön periodischzu schreiben. Ein Dichter, der sicheinbildete, durch den frcycn fünf-füßigen jambischen Vers die Arbeitdes melodischen Ausdruks zu erleich-tern, wird sich gewiß betrogen fin-den. Inzwischen ist nicht zu leugnen,daß der-freye jambische Vers sichzum dramatischen Gedicht vorzüglichschike. Wir sehen, daß er fast jedenTon annehmen, bald ernsthaft undfcyerlich, bald leicht und zärtlichcinhcrgehen kann. Darum habenauch die Alten ihre dramatischen
Stüke