Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
678
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berufen: das rührendste Duet, vonInstrumenten gespielt, oder vonMcnschcnstimmcn, deren Sprachewir nicht verstehen, gesungen, ver-liert in der That den größten Thcilseiner Kraft. Aber da, wo das Ge-müt!) blos von der Empfindungmuß gerührt und unterhalten wer-den, ohne einen besonders bestimm-ten Gegenstand vor sich zu haben, istdie Instrumentalmusik hinlänglich.

Dadurch wird der Gebrauch derInstrumentalmusik ihrer Natur nachvornehmlich aus die Tanze, Marscheund andre festliche Aufzüge einge-schränkt. Diese sind ihre vornehm-sten Werke. Hiernachst kann sie auchbei) dem dramatischen Schauspielihre Dienste thun, indem sie den Zu-schauer zum voraus durch Guvertü-res oder Spmphoincn zu dcmHaupt-assekt, der in dem Schauspiel herrscht,vorbereitet. Zum bloßen Zeitver-treib aber, oder auch als nützlicheHebungen, wodurch Setzer und Spie-ler sich zu wichtigern Dingen geschik-tcr machen, dienet sie, wenn sie Ton-ceree, Trio, Solo, Sonaten unddergleichen hören laßt.

Einige dieser Srüke haben ihrefestgesetzten Charaktere, wie die Bal-lette, Tanze und Marsche, und derTonsetzcr hat an diesen Charaktereneine Richtschnur, nach welcher erbcy Verfertigung derselben zu arbei-ten hat; je genauer er sich an denCharakter jeder Art halt, je bes-ser wird sich sein Werk ausnehmen.Einigermaßen hat man auch beyOuvertüren und Symphonien, diezum Eingang eines Schauspiels die-nen, noch etwas vor sich, woraufdie Erfindung sich gründen kann,weil sie den Hauptcharakter desSchauspiels, für welches sie gemachtsind, ausbrüten müssen. Aber dieErfindung für Coucerte, Trio, Solo,Sonaten und dergleichen Dinge, diegar keinen bestimmten Endzwek ha-ben, ist fast gänzlich.dem Zufall

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überlassen. Man begreift noch, wieein Mann von Genie auf Erfindun-gen kommt, wenn er etwas vor sichhat, daran er sich halten kann; woer aber selbst nicht sagen kann, waser machen will, oder was das Werk,das er sich zu machen vorsetzt, ei-gentlich seyn soll, da arbeitet er blosauf gutes Glück. Daher kommr es,daß die meisten Etükc dieser Artnichts anders sind, als ein wolklin-geudes Geräusch, das stürmend odersanft in das Gehör fallt. Dieses zuvermeiden, thut der Tonsetzer wol,wenn er sich allemal den Charaktereiner Person, oder eine Situation,eine Leidenschaft, bestimmt vorstellt,und seine Phantasie so lang an-spannt, bis er eine in diesen Um-standen steh befindende Person glaubtreden zu hören. Er kann sich da-durch helfen, daß er pathetische, feu-rige, oder sanfte, zärtliche Stellen,aus Dichtern aussucht lind in einemsich dazu schikendeu Ton dcclanürt,und alsdenn in dieser Empfindungsein Tonstük entwirft. Er muß da-bei) nie vergessen, daß die Musik, inder nicht irgend eine Leidenschaft,oder Empfindung sich in einer ver-ständlichen Sprache äußert, nichts,als ein bloßes Geräusch sey.

Man hat aber be» dem Jnstru-mentalsatz, außer der Sorge den Stü-ken einen bestimmten Charakter undrichtigen Ausdruk zu geben, nochverschiedene besondere Dinge wol zuüberlegen. Es ist nothwcndig, daßder Tonsetzcr die Instrumente, fürwelche er setzt, selbst wol kenne undgenau wisse, was auf denselben zuleisten möglich sey; denn sonst kannes ihm begegnen, daß er Dinge setzt,die den: Umfang des Instruments,oder der Art, wie es muß gespieltwerden, entgegen sind. Man mußimmer bedenken, nicht nur, ob das,was man für ein Instrument setzt,auch auf demselben möglich, sondernob es leicht zu spielen sey, und mit