I d i
gewissen Sprachen so hanfig vor-kommen, daß man sich des Grundes,worauf sie beruhen, kaum mehr be-wußt ist. Bey solchen Ausdenken,sie scheu in der römischen, griechi-schen, oder in einer morgenländi-schen Sprache, kommt es daraus an,ob das Bild uns bekannt sey, und,wenn dieses ist, ob es bey uns aufder Stelle, da es vorkommt, seineWirkung thuc.
Wenn demnach einige Kunstrich-ter uns die Erinnerung geben, daßman dem morgeulandischen Ausdrukin einer gewissen Entfernung folgenmüsse, so sagen sie uns etwas sounbestimmtes, daß die Erinnerungvöllig unnütze wird. Wollen sie sa-gen, daß man Personen aus unfernZeiten, die in unscrm Cüma, beyunfern Gebrauchen und zu uusrerDcnkungsart erzogen sind, keineorientalische Bilder und Ausdrüke indcnMund legen soll: (ein gegründe-tes Verbot;) so haben sie sich un-richtig ausgedrükt. Wollen sie aberverbieten, daß man morgenlaudischePersonen in orientalischen Redens-arten soll sprechen lassen: so verwer-fen sie etwas, das charakteristischund gut ist. Man braucht überhauptnicht zu verbieten, fremde Idiotis-men in unsrc Sprache einzuführen;denn wahre Idiotismen lassen sichnicht in andre Sprachen versetzen.Es scheinet zwar, daß man fremdeIdiotismen in seine Sprache auf-nehmen könne: im Grund aber ist esnur ein Schein; weil kein Menschsie versteht, als in so fern er sie wie-der in die fremde Sprache, daraussie genommen sind, übersetzt. Dar-um hat die Barbarei), fremde Idio-tismen zu gebrauchen, nur da statt,wo zwcy Sprachen gleich bekanntund gelaufig sind; wo die redendenPersonen in der einen denken, undin der andern sprechen. So höretman bisweilen in Berlin den Aus-druk: er h«e fiel) gut genommen,Zwepter Thcil.
I d i 6?Z
der den französischen Idiotismus,
i> 5' est Kien pris, ausdrükct...Aber der deutsche Ausdruk ist fürden, der nicht franzosisch kann, voll-kommen unverständlich. Indessenkann die Tyrannei) der Gewohnheitbisweilen gewisse fremde Idiotismenallmählig verstandlich und brauchbarmachen. So hat die deutsche Spra-che unzählige Idiotismen der lateini-schen Sprache dadurch bekommen,daß man gewisse Wörter, die in derlateinischen Sprache aus einer Prä-position und einem andern Wort zu-sammengesetzt worden, auf eine ahn-liche Weise zusammengesetzt hat, wiez. E. Anfangen, von Melpers, Vor-wurf (anstatt Gegenstand) von ob-zebbum. Ursprünglich waren dieseIdiotismen eben so unverständlich undbarbarisch, als wenn man das deut-sche Wort Vormauer (Schutz) durch^ntemui-us, oder Mannhcit durchVlrcus übersetzen wollte. Man siehtwol, daß diese Wörter durch dieMönche, denen die lateinische Spra-che geläufiger als die deutsche war,wenn sie deutsch schreiben mußten,eingeführt worden sind. Ware dielateinische Sprache nicht so durchge-hends in Deutschland bekannt wor-den, so würden auch solche Wörterunverständlich geblieben seyn.
Man kann sagen, daß der Dich-ter oder Redner, welcher die Idio-tismen seiner Sprache am glüklich.sien zu brauchen weiß, seinen Aus-druk dadurch ausnehmend belebt undnatürlich macht. Am allernothwcn-digsten wird dieses dem römischenDichter, der sowol das nationale,als das persönliche Idiomatischedurchaus zu treffen sich befleißigenmuß. Denn dadurch kann er denZuhörer am meisten lauschen, undihn glauben machen, daß er die Na-tur selbst vor sich sehe. Man kanndem römischen Dichter nie genug em-pfehlen, daß er gewissen Personen,keine Wörter in den Mund lege,' di?
U u wävk-