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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
670
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neu Menschen gebildet, um ihn zumsichtbaren Bild der Majestät zu ma-chen: aber diesen einzigen Zwek hartePhidias, als er seinen Iupirer bil-dete. Wenn wir bey einem würk-lich lebenden Menschen etwas vondem Charakter der Maiestat antref-fen, so finden wir noch viel andresbey ihm, das damit nicht überein-stimmt, weil die Natur es ihm inandern Absichten gegeben hat Die-ses andre konnte dem Phidias nichtdienen, darum hatte er nach einemIdeal arbeiten müssen, wenn ergleich das beste Original vor sich ge-habt hatte. Es ist damit, wie mitandern Produkten der Natur. Dasie keine Gefäße von Gold oder Sil-ber macht, wozu diese Metalle remseyn müssen, so bringt sie auch keinreines Gold oder Silber hervor, son-dern mir Gestein und Erde vermischt.Die Kunst, die Metalle reiniget, ver-edelt sie nicht; sondern scheidet nurdie Thcile, die zu ihrem Zwek nichtdienen, davon ab. Alsdcnn sind sienicht schlechterdings besser, sondernnur zu diesem besonder!! Zwek tang-licher. So ist der farnesische Her-kules ein vollkommenes Bild dessen,was er seyn soll: aber ein Mensch,gerade so gebildet, würde unvoll-komniner seyn, als jeder andre wol-gestaltetc Mensch. Dieses ist derwahre Begriff, den man sich von ei-nem Ideal machen muß.

Der Künstler, dem die Schilde-rung der in der Natur vorhandenenGegenstände zu seinem Zwek hinläng-lich ist, hat mit dem Ideal nichtszu thun. Wer sich vorgenommenhat, einzcler Menschen ihre Tugendenoder Laster zu schildern; wer diestrengen Sitten des Cato, die patrio-tische Tugend des Cicero, in einemDrama zeigen will, der muß sich ge-nau an die Natur halten. Wo abernicht Personen, sondern Tugenden,wo gute oder böse Eigenschaftenselbst, zu schildern sind, da muß

man das Ideal suchen. Dieses thutder Bildhauer und Mahler, der nichtdie schöne Phryne, noch die schöneHelena, sondern die weibliche Schön-heit, ohne Beymischung dessen, wasder persönliche Charakter darin be-sonders bestimmt, in einem Bildedarstellen will. Ueberhaupt dienetdas Ideal, um abgezogene Begriffein ihrer höchsten Richtigkeit sinnlichzu bilden. Darum ist auch nicht je-des Geschöpf der Phantasie, nicht je-des Bild, das, wie die Helena desZeuris, aus einzclen Theilen an-'drcr zusammengesetzt ist, gleich einIdeal zu nennen- Was diesen Na-men verdienen soll, muß auf das be-ste den Begriff seiner Art, oder Gat-tung, ohne Beymischung des Emze-len ausdrulen. Darum schikt es sichin den zeichnenden Künsten vornehm-lich zu den Statuen und zu denGcmählden, die wir Bilder nen-nen ; f) weil es dabcy nicht darumzu thun ist, wie die abgebildeten Per-sonen ausgesehen haben, sondern znempfinden, was für einen Charaktersie gehabt haben.

Das Ideal ist allemal das Werkdes Genies, und oft die Frucht einesglüklichcn Augcnbliks, da die durchBegeisterung erhöhten Seclenkrafteplötzlich sich zur Bildung desselbenvereinigen. So schuf Cuphranoi.',nachdem er lange dem Begriff derhöchsten Majestät nachgedacht hatte,das erhabene Bild Jupiters, in demAngenblik, da ihm Homer ein paarZüge dazu gab; ff) und so wird viel-leicht einmal ein künftiger Künstlerdas Ideal zu einer so genannten bis-äro (wiorolä finden, wenn er IN demrechten Zeitpunkt der Begeisterungauf folgende Stelle im Mcßias kom-men wird:

Äcim

S. Lic. <le InveM. b II.

S. Stame.

f) S. .Historie.

ff) S. Erfindung, II. Th. S. !-)>