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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
669
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Stüke fast durchgehends in Jambcngeschrieben.

Ideal.

(Schone Künste.)

Anrch dieses Wort drüktman über-hunpt jedes Urbild eines Gegenstan-des der Kunst ans, welches diePhantasie des Künstlers, in einigerAchulichkeit mit Gegenständen, diein der Natur vorhanden sind, gebil-det hat, und wornach er arbeitet.Jene Bildhauer und Möhler, sagtCicero, hatten, als sie das Bild desJupiters, oder der Minerva, verfer-tigten, niemand vor sich, dessen Gestaltsie nachzeichneten; sondern ihrem Ge-müthe war ein Bild von ausnehmen-der Schönheit cingepraget, welchessie niit unverwandten Blikeu ansa-hen, und wornach sie arbeiteten." ")Dergleichen Bilder, die der Künstlernur in seiner Phantasie sieht, sinddas Ideal, wonach er seinen Gegen-stand bildet, wenn er nicht etwa schonin der Natur einen antrifft, den ernachbilden konnte. Dieses geht nichtnur auf sichtbare Formen; auch derDichter bildet Charaktere von Men-schen und Engeln in seinem Gemü-the, und tragt sie von da in seineGedichte herüber.

Man kann überhaupt von jedemGegenstand der Kunst, der nicht nacheinem in der Natur vorhandenen ab-gezeichnet worden, sondern sein We-,scn und seine Gestalt von dem Geniedes Künstlers bekommen hat, sagen,er scy nach einem Ideal gemacht.Jeder Mensch von irgend einigemGenie, der nicht als ein blos leiden-

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des Wesen, als ein todter Spiegel,nur die Formen der Dinge, die erdurch die Sinnen empfangen hat,unverändert behalt, bildet sich We-sen und Formen nach der Analogiederer, die er in der Natur findet.Aber nur Menschen von großem Ge-nie sind vermögend, ideale Formen zubilden, die an Fürirefflichkeit die inder Natur vorhandenen übertreffen.Diese sind das hohe Ideal, wodurchdie; Werke großer Künstler eine höhereKraft bekommen, als die ist, die innatürlichen Gegenständen des Ge-schmaks und Gefühls lieget. Diesesist das Ideal, dessen Ausdruk derKünstler vorzüglich muß zu erreichensuchen, wenn er seinem Beruf völligGenüge leisten soll. Zwar hat erschon Verdienste, wenn er zu jedemWerk das, was sich zum Zwck schi-ket, in der Narur aussindig machtund richtig abbildet; aber das höchsteVerdienst erreicht er nur vermittelstder Schöpfungskraft, wodurch erdas höhere Ideal hervorbringt.

Daß das menschliche Genie dieseKraft habe, kann nicht in Zweifelgezogen werden. Der Apollo im Bel-vedeie ist gewiß so wenig nach derNarur gemacht, als Miltons Engeloder Teufel. Die Möglichkeit derErhöhung der Gegenstände erhelletnicht nur daraus, daß die Natur,wie ein großer Kenner anmerkt, inihren Hcrvorbringungen vielen Zu-fallen unterworfen ist, da die Kunstfrey winkt; *) sie entsteht fürnchm-lich daher, daß die Natur bep kei-nem Geschöpfe nur auf einen einzi-gen Zwck arbeitet, welches der Künst-ler meistentheils thut. DaS Idealbesieht nicht immer in Verbesserungder Natur, sondern auch in Vereini-gung dessen, was zum Zwck gehört,und Weglassuug dessen, was ihmentgegen wäre. Die Natur har kei-nen

») Mcngs Gebauten über die SchönheaS. r-.