6z8 Hör
Hör
Horizont.
(Mahleecp.)
In der Natur ist der Horizont dieäußerste Linie, die eine ganz flacheGegend des Erdbodens von der Luftoder dem Himmel abschneidet! oderdas äußerste Ende des ohne Hügeloder Erhöhungen vor uns liegendenErdbodens: hinter welchem wir nurLuft, oder in die Höhe steigende Ge-genstande sehen. Eben diese Bedeu-tung hat das Wort auch in gewähl-ten Landschaften und andern Ge-mählde»; nur mit dem Unterschied,daß man sich im Gemählde auch daeinen Horizont vorstellen muß, wodie Aussicht in die Ferne durch et-was vor uns stehendes gehemmtwird. Nämlich, wenn wir z. B. inder Thür eines Zimmers stehen, undgerade vor uns auf die, dem Ein-gänge gegenüber sichende, Wand se-hen, so würde eine an dieser Wandin der Höhe unsers Auges, waage-recht langst der Wand gezogene Li-nie den Horizont bezeichnen. DerMahler muß in jedem Gemählde sicheinen bestimmten Horizont vorstellen.Denn es muß immer in dem Ge-mählde, oder in der Fläche, vonwelcher es einen Theil bcdckt, irgendein Punkt scyn, der dem Auge des-sen, der das Gemählde so ansteht,wie der Mahler den natürlichen Ge-genstand, da er ihn gewählt, ange-sehen hat, gegenüberliegt; und diedurch diesen Punkt waagerecht gezo-gene Linie macht die Horizontal-linie aus *).
Alles was im Gemählde über die-ser Linie liegt, wird von dem Augevon unten herauf, was aber unterihr liegt, von oben herunter gesehen.Daher hat die Bestimmung des Ho-rizonts einen Einfluß auf die Zeich-nung eines jeden in dem Gemähldevorkommenden Gegenstandes, undkein Gemählde, wenn es auch nurS. Gesichtspunkt.
eine cinzcleFigur vorstellt, kann völ-lig richtig gezeichnet werden, wennderMahlerüicht immer genaue Rück-sicht auf den Horizont desselben hat.Wir werden in dem Artikel Perspec-tiv das Wichtigste, was in der Zeich-nung von dem Horizont abhängt,anzeigen.
Weil jeder Gegenstand so gemahltwird, wie wir ihn aus einem einzi-gen Gesichtspunkt sehen, der Ge-sichtspunkt aber den Horizont be-stimmt *), so muß jedes Gcmahldnur einen einzigen Horizont haben.Wenn man uns z.B. eine Landschaftmahlt, so muß sie so gezeichnet wer.den, wie wir sie von einer einzigenStelle sehen. Es wurde ein seltsa-mes Gemisch herauskommen, wennein Theil so gezeichnet würde, wiewir ihn von einem Thurm heruntersehen, ein andrer, so wie er sich zei-get, wenn wir ander Erde stehen.Darum muß der Mahler in der Zeich-nung vor allen Dingen seinen Hori-zont festsetzen; ihn bey Zeichnungjedes Gegenstandes vor Augen ha-ben und gewissen daher entste-henden Regeln folgen, damit allesrichtig gezeichnet werde. Man siehtbisweilen historische Gemählde vonberühmten Meistern, wo die Grup-pen der Figuren einen andern Hori-zont haben, als die Sccne, oderdieLandschaft, auf der sie stehen. Indiesen Fehler wird jeder Mahler fal-len, der die Regeln der Pcrspcktivnicht weiß, oder nicht darnach arbei«tet. Besonders aber wird er in derLandschaft angetroffen, deren Thcileaus verschiedenen Zeichnungen undso genannten Studien zusammenge-tragen sind.
Will man die Richtigkeit einerZeichnung beurthcilen, so muß manebenfalls sich zuerst bemühen, denHorizont derselben zu finden. Man
enr-
H S. Gesichtspunkt.
S. Perspektw.