Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
638
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6z8 Hvm

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ms, nichts unbestimmtes- Dammnennt ihn Horaz mit Recht denMann,

--- dui n!l molicur incpra.

So hat das Altcrthum fast ohneAusnahme von dem Vater der Dich-ter geurtheilt. In den neuem Zei-ten hat man unzählige Dinge anihm auszusetzen gefunden. Man hatihn beschuldiget, daß er ungesittet,unphilosophisch und unmoralisch fey.Man scheinet aber bei) diesen Vor-würfen vorauszusetzen, daß Homerdie Absicht gehabt habe, nach denabstrakten und gereinigten Begriffender Philosophie und Moral seineZeitgenossen zu lehren und zu bilden.Man erwartet einen Philosophen,der die Naturkunde, die Sternkun-de, die Theologie, nach den Begrif-fen der heutigen Zeiten erkennt, derdie moralische Vollkommenheit desMenschen nach dem höchsten Idealgebildet habe. Ist es seine Absichtgewesen, einen idealischen Menschenzu schildern, so hat er sie schlecht er-füllt. Hat er sich aber vorgesetztdie Griechen, als die größten Hel-den zu schildern, den verschiedenenStammen derselben den Stolz eineredlen Herkunft einzuflößen, ihrenNationalcharakter durch Erzählungder wichtigsten Thaten ihrer Vor-fahren fester zu bilden; hat er die-ses nach den Begebenheiten, derenAndenken noch nicht veraltet war,und nach den damaligen Sitten ge-than: so ist sehr zu zweifeln, daßjemand zeigen werde, wie er es bes-ser hätte thun können.

Man erkennt an diesem Dichternoch deutliche Spuhren von demCharakter eines Darewn"). Er hatnichts von dem vorsichtigen Weseneines gelernten Künstlers. Er singtmehr, weil er ein Liebhaber derDicht-knnst ist, sondern weil er einen öf-fentlichen Beruf dazu hat, Thaten,

*) S. Dichtkunst ITH. Seite 619.

die noch in frischem Andenken wa-ren, in dem Gedächtnis der Nationzu erhalten. Daß schon ältere Wer-ke der Dichtkunst vor ihm vorhandengewesen, nach denen er sein Modelgenommen, kann man nirgend mer-ken; so sehr fließt bei) ihm der volleStrohn: aus seiner eigenen Quelle,ohne Spnhr einer künstlichen Veran-staltung.

Ucbcr keinen Schriftsteller ist vielleichtso viel geschrieben morden, als über denHomer; und ob ich also gleich weder Wil,lens, noch fähig bin, alle diese Schriftenanzuzeigen: so scheint c6 mir doch, zur Dar-stellung des Einflusses, welchen der Dichtergehabt, nothwendig, deren hier mehrere, alsbei; ähnlichen Schriftstellern, bei>zubringcn.Am füglichstcn wird dieses in einer kurzenGeschichte seiner Wcrkc geschehen können.Diese Geschichte ist uns nur von der Zeitan bekannt, da seine Werke zuerst nachdem eigentlichen Griechenland, aus Crctaoder Jonien, durch den bekannten spar-tanischen Gesetzgeber, bykurg, später alshundert Jahre nach dem Tode des Lich-ters, gebracht wurden, lchkurg kaufte sievon den Nachkommen eine» Krcophylus,der sie vom Homer selbst erhalten habensoll. (S. INur. irr l,^c. I V. und N. 09.Oper. l. S. 165. Lci.lleislc. U. a. M.)Folglich mußten sie schon in Ein Werk ge-sammelt sc»n. Daß Homer selbst sie nichtniedergeschrieben, nicht niederschreiben kön-nen, ist höchstwahrscheinlich, (S. WoodSVersuch über das Originalgenie des HomerS. 271 u. f. Franks, 177z. 8-) und also,wenn sie anfänglich nur durch das Ge-dächtniß ausbewahrt werden mußten, ebenso natürlich, daß, je nachdem der Dich-ter einzelcThcile (Rhapsodien) an diesemoder jenem Orte gesungen, auch nur cln-zclc Theile an diesem oder jenem Ortc ge.fanden, und die letzten vielleicht che, alsdie ersten, entdeckt, oder in dem eigent-lichen Griechenland bekanntwerden konn-ten. Daher konnten diese Gesänge, odereinzele Theile, welche ursprünglich blos

nach