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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
637
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die er damals gehabt hat. Er istder Natur völlig treu geblieben, undhat gar nicht nach einem Ideal ge-arbeitet. Denn man sieht wol, daßes ihm höchst leichte gewesen wäre,die Personen besser oder schlimmerzu machen, wenn er gewollt hatte.Er halte nicht nolhig an das Idealzu denken, da die Natur selbst zu sei-ner Absicht hinreichend war.

Wer diesen Dichter in seinem wah-ren Lichte sieht, wird ohne Zweifeldem Unheil dcö Srrabo beystimmen,der ihn nicht blos wegen des poeti-schen Genies, sondern auch wegenseiner Einsicht in Sachen des Le-bens, und der Politik allen andernDichtern vorzieyr Wir wollenseinen poetischen Charakter mit denWorten des Gravina abbilden:Ho-mer ist ein so viel mächtigerer undweiserer Zauberer, da er seine Spra-che, nicht sowol zur Reizung desGehörs, als zum Ausdruk der Ein-bildungskraft und zur Bezeichnungder Sachen angewendet, und seinenganzen Fleiß darauf gerichtet hat,jede Sache natürlich auszudrüken.Bald scheinet er die Sachen nurflüchtig zu berühren, bald sie ausdem Gesichte zu verlieren; aber dannkommt er wieder durch einen an-dern Weg ihr zu Hülfe. Am rech-ten Orte und zur rechten Zeit mischter in die Redcn, welche er anführt,gemeine Ausdrüke und Redensar-ten: alsein andrer Proteus nimmter alle Gestalten und Naturen an.Bald stiegt er, bald schleicht er amBoden; bald donnert er, bald lis-pelt cr sanft; allezeit wird die Ein-bildungskraft dergestalt von seinenVersen gerührt, baß er sich unsrerKräfte bemächtiget, und durch feineWorte, der Kraft der Natur nach-

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eifert *)." Nicht ohne Bewunderungsieht man die unendliche Mannigfal-tigkeit der Dinge, die er beschreibt;von den lieblichsten und gemeinstenGegenständen in der Natur und denTitten, bis auf die fürchterlichstenund erhabensten: fürnchmlich wcnnman dabey bedenkt, wie cr jedesnach der eigentlichsten Art schildert.Eben dieses fühlt man bei) den Re-den und Handlungen, die er seinenPersonen beylegt. Kein unnützes,kein überflüßiges Wort, keines, dasnicht geradezu dcn Zwck trifft, keineauch nicht die geringste Handlung,die nicht den bestimmtesten Charakteranzeiget. Was jeder spricht oderthut, geschieht so, wie es sich fürihn schikcr. Sein Ausdruk und seinVers sind so, daß die Natur selbstsie auf den Lippen des Dichters zurbesten Bezeichnung der Sachen scheintgebildet zu haben.

Dcn Namen eines Vaters derDichter verdienet er fürnchmlich da-durch, daß kaum eine Art des poeti-schen Schwunges, oder der Herab-lassung zu der natürlichen Vorstel-lung der Sachen, keine Wendungder Gedanken, kein Theil der poeti-schen Kunst ist, davon cr nicht Mu-ster gegeben. Der epische Dichter,der dramatische, der lyrische, undder Redner, können ihr Genie andem seinigen scharfen. Dieses großepoetische Genie wird überall vonVerstand und Weisheit geleitet, umauf das Zuversichtlichste ans seinemWege fortzuschreiten. Er zeiget demVerstand nichts unerhebliches, nichtsunüberlegtes; der Einbildungskraftnichts kleines, nichts gekünsteltes,nichts subtiles; dem Gemüchc nichtsunnatürliches, nichts übertriebe-nes

-) (Zrzvinz l.,l. c, I V. Man sehe auchdie meisterhafte Schilderung diese»Dichters in Stizkesbmv's /Vävice ro»n

n I. Seck. z. auf derund -S7 Seite.