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Man muß den höchsten Begriffvon diesem Dichter nothwcndig be-kommen, wenn man bedenkt, daßdie größten Manner in verschiedenenSiiten ihn für ihren vornehmste»Lehrmeister gehalten; daß ^'curgusihn als einen Gesetzgeber, Aefcbi-no-z und Demosthenou als den größ-ten Redner, Alexander der Großeals den vornehmsten Lehrer desKriegswesens, Pinsar, Mostbusund Virgilius als den vornehmstenDichter verehret haben H. Ein Dich-ter, den die ersten Köpfe der erstenNation in der Welt sehr verehrt ha-ben, verdient allen Menschen von Ver-nunft und Gcschmak bekannt zu sehn.
Von seinen persönlichen Umstan-den weiß man wenig zuvcrlaßiges.Nach der gemeincsten Meynung falltseine Lebenszeit ohngefehr tausendJahre vor den Anfang der christli-chen Zeitrechnung hundert und fünf-zig bis zweyhundert Jahre spater,als der trojanische Krieg, den er be-sungen hat. Aller Wahrscheinlich-keit nach ist er ein Jonicr aus Klein-asten, und vermuchlich nicht vonganz gering r Herkunft gewesen;denn sinne Gesänge kündigen einenMann an, der alle Wissenschaft,alle Kcnntniß der Lander, der Kün-ste und der Weltgcschaffrc, gehabt,diej zu seiner Zeit möglich gewesen.Es ist auch wahrscheinlich, baß erbey Verfertigung seiner Gesänge et-was größeres zur Absicht gehabt ha-be, als seinem dichterischen Genienachzugeben. Wenn man bedenkt,daß Homer zu einer Zeit gelebt hat,da d e Griechen nur kurz vorher an-gefangen vcrslstedene Colonien inein Land zu.schiken, in welchem sievor nicht langer Zeit den hartnakig«
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sten und berühmtesten Krieg geführthaben: so entsteht die Vermuthung,daß etwas von dem Nationaliy-tcresse der asiatischen Griechen dirHauptabstcht dieser Gesänge gewe-sen sey.
Wie dem aber sey, so ist bey itzi-gcr Beurtheilung derselben allemalgenau darauf zu sehen, daß sie unsganz fremde sind, und uns unmit-telbar nicht weiter angehen, als inso fern sie uns das Genie eines dergrößten Dichter zeigen, auch dieGemüthsart und die Sitten vielerVölker und der berühmtesten Heldendes Alterthums, auf das natürlich-ste schildern. Wir müssen davonauf die Art urthcilen, nach welcherein Heerführer unsrcr Zeiten von denKriegsverrichtungen Alexanders ur-theilt. wobcy er nicht die itzigcnWaffen, nicht die gegenwartige Po.lirik, sondern die damalige Lage derSachen in Betrachtung ziehet. Sowie es einem erfahrnen Kricgsmannnicht schwer fallen würde, zu bestim-men , wie Alexander nach der itzigenVerfassung würde gehandelt haben,so kann auch ein guter Kunstrichtersehen, wie eine Epopöe seyn würde,die itzt in dem Geist des Homers ver-faßt wäre.
Man wundert sich nicht ohneGrund, wie es neueru Kunstrichternhat einfallen können, es dem Homerzur Last zu legen, daß er seine Göt-ter und Menschen anders handelnund reden laßt, als unsre Begriffees zu erfodern scheinen, und daßih n Sachen wichtig geschienen, diewir für unwichtig halten. Dies isteben so viel, als dem Alexandervorwerfen, daß er lieber Mauerbre-cher, als Canonen, lieber Pfeile,als Flinten gebraucht habe. Homerschildert den Menschen, wie er zuseiner Zeit gewesen, mit dem Cha-rakter; mit dem Aberglauben. mitder Einfalt der Sitten, mir den Ge-brauchen, und mit der Sprache,
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