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2 (1792) [E - J]
Entstehung
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Mahler so gar unüberlegt und sogarohne Verstand handelt, daß daidnichts seltmcrs ist, als historischeGcmählde,. die sich durch ihren In-halt empfehlen. NichtsbcdcutcudeHandlungen, wenn ihrer nur in derBibel, oder in den Verwandlungendes Ovidius, oder in der griechi-schen Mythologie gedacht wird, wer-den gar zu oft, auch von gutenKünstlern, als ein würdiger Stoffgewählt, wenn gleich kein Menschzchen Schritte thun würde, die ab-gebildete Sache in der Natur selbstzu sehen. Der Hisiorieumahler sollnie darum arbeiten, daß er blos sei-ne richtige Zeichnung, oder seinenguten Pinsel sehen lasse. Er solltevergessen, daß er ein Mahlcr ist,und seinen Stoff blos als ein ver-ständiger Mann betrachten, um dieWürkung zu bemerken, welche dieSachen, nicht aufsein wählerischesAuge, sondern auf sein Gcmüthethun. Er suche die Begebenheit,che er sie bearbeitet, von Figur undFarbe zu entblößen; und üocrlassesich den Empfindungen, die das Un-sichtbare der Sachen in seinem Ge-mfi th crwekc. Aber wie unverstan-dige Prediger jedes Wort, das einProphet oder Apostel bey einer nichtsbedeutenden Gelegenheit, auch wolohne bestimmte Absicht gesprochenhat, zum Text einer Predigt wäh-len , so machen es auch die Mahlcr.Dmge, die man taglich sehen kann,wobey man nichts ungewöhnlichesdenkt oder empfindet, Handlungen,die das gemeinste Maaß der Kräfteclffodern, müssen gar nicht gemahltwerden. Man kann sie ja überall inder Natur sehen.

Zum zweyrcn soll der Mahler ge-nau überlegen, daß er einen ganz an-dern Beruf hat, als der Geftincht-schreiber. Sollten auch gleich inden alten Zeiten die zeichnenden Kün-ste würklich zum Behuf der Geschich-

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te angewendet worden seyn, so wares doch ungereimt, sie itzt noch dazuzu brauchen, da man weit bessereMittel hat, das Andenken der Be-gebenheiten auf die Nachwelt zu brin-gen. Die Geschichte muß von demMahler nicht historisch abgebildetwer.den, dafür sorget der Geschichtschrci-ber; er aber muß den Geist der Sa-che darstellen. Sollten irgend ei-nem Mahler diese Lehren nicht ver-ständlich genug seyn, so mahle erlieber andre Dinge, als Historien;es würde ihm auch nicht viel helfen,wenn sie weitläuftig entwikelt wür-den. Hat der Mahler einen gutenStoff angetroffen, und den Geistdesselben in dem bestimmten und in-teressanten Eindruk, den die Sacheauf ihn selbstgemacht hat, empfun-den, so nehme er seinen Inhalt nocheinmal in Betrachtung, um seineneigentlichen Charakter genauer zuüberlegen, und zu erkennen, ob erins Erhabene, oder blos ins Ernst-hafte, ob er in das Zärtliche, oderin das Pathetische, in das Rühren-de, oder blos Angenehme, ob er indas Hohe oder Gemeine einschlage;denn daraus muß das Besondere indem Charakter der Personen, in denLeidenschaften, so gar im Äußerli-chen, in der Behandlung und indem Ton der Farben, bestimmt wer-den. Viele Mahler scheinen garnicht zu überlegen, wenn sie die Ein-setzung des Abendmahls, oder dieMahlzeit mit den beydcn Jüngern inEmaus vorstellen, ob sie eine ge-wöhnliche, alltägliche Mahlzeit, oderbey einer Mahlzeit eme Sache vor-stellen, die des höchsten Pathetischenfähig ist.

Hat der Mahler seinen Stoff mitUcberlegung gewählt, und den Geistdesselben, als ein Mann von Em-pfindung festgesetzt, so denke er anden schiklichen Augenblik der Hand-lung. Hierüber sind an einem an-

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