Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
514
Einzelbild herunterladen
 

5»4 Hel

daher besonders in Erwägung gezogen zuwerden. Von dem Heldengedicht derAlten ist sie auf mancherlei) Art verschie-den. Genaue Einheit im Plan und Zweck,oder in der Handlung und im Helden, kannsie, in so fern nicht wohl haben, als dieHelden derselben, die Ritter, allenthal-ben ihres Gleichen fanden, allenthalbenimmer auch mit andern Rittern zu käm-pfen hatten, und zugleich, ohne irgendeinen besonder» Zweck, als sich zu Rit-tern zu bilden, Hcldcnthaten zu verrich-ten, und Ruhm zu erwerben, folglichauf gutes Glück, (d I'zvcnrure) in derWelt umher zogen. Und hieraus sinddenn nun wieder eine Menge anderer Fol-gen entstanden. Oer Ton darin hat da-durch mannichfaltiger und abwechselnderwerden können, als er eü in den eigentli-chen Heldengedichten scyn darf; und mitdieser Freyhett verträgt sich zugleich derGebrauch des, vloS im Volksglauben ge-gründeten Wunderbaren sehr gut. DiesesWunderbare selbst, die, in diesen Epo-pöen erscheinenden Riesen, Feen, Zwer-ge, Zauberer, Schlangen, Drachen, u.s. m. gehören zu den vornehmsten lLigen-Heiken Verselben, und sind, höchst wahr-scheinlicher Weise, aus den cigcnthümli-chcn'Meyttungcn, Sitten und Einrichtun-gen derjenigen Zeit, und derjenigen Län-der entsprungen, in welchen diese Epopöeselbst entstanden ist; sie scheinen nichts,als Verstärkung, oder dichterische Dar-stellung des Wirklichen, und nicht, wieWarten (in seiner Abhandlung über denUrsprung der romanhaften Dichtung inEuropa, übers, in I. I. EftdenburgSBrittischcn Mus. Bd.z-;) u.a. Unglau-ben, aus dem Orient, wenigstens nichterst zur Zeit der Entstehung der ältestenRitterromanc, hergebracht zu scyn. Manmuß den ersten Keim dieser Dichtungennur von der Fort- und Ausbildung dersel-ben unterscheiden, nur jene Einrichtun-gen, Sitten und Meynungcn, und dielleberrcste derselben, in unser» Zeiten,scst im Auge behalten; und dann wird cSnicht erst des Zeugnisses der Edda bedür-fen (welche, alS ein, im ntcn und aalen

H e l

Jahrhundert gesammeltes Produet, aller,dings leicht in den Verdacht kommenkann, daß sie nicht den ächten Glaubender alten Nordischen Völker enthält, son-dern daß sie aus den Dichtcrcven erst zu-sammen gesetzt, oder geschöpft worden ist,welche zur Zeit ihrer Sammlung, schonin Frankreich und Deutschland zum TheilGäng und Gebe waren) es wird, sageich, ihres Zeugnisses nicht bedürfen, umes sehr begreiflich zu finden, daß die Nor,dischcn und Abendländischen Völker ganzvon selbst zu jenen Vvrstellungs- und Dar»stellungsarten haben gelangen können.Warum müßte man erst, z. B. Gog undMagog (S. Warton, a. a. S. Dd. z.S. -6. Anm. l>) gekannt haben, um die,mehr als gewöhnlich, großen und starkenMenschen, deren es in den NördlichenLändern vielleicht mehrere, alS in Asiengab, in Riesen zu verwandeln? Oder umdiejenigen, welche große, außerordentlicheDinge verrichtet hatten, auch als körper-lich außerordentlich große Menschen dar-zustellen ? Karl der Große ist, bey demso genannten Turpin, acht Fuß hoch;und der Stifter der christlichen Religionheißt, beym Ottfeied, kill, so wie derTeufel, bcpm Notker, lKistlr iiifi. DerCdaracter dieser Riesen selbst ist ganz ausden Sitten der Europäischen Mittelalterentlehnt. Sie sind größtenthciis Räu-ber, und vorzüglich Jungfernräuber. Je-nes war der größte Theil der damahligcnBurgherrn und Barone, und dieses, derJungfernraub, oder gewaltsame'Entfüh-rungen, waren noch, in viel spätem Zei-ten , eben so häufig, als es wieder natür-lich war, solche Räuber z» außerordent-lich großen und starken Menschen zu ma»che». Sic sind, serner, größtcntheilö,Heyden, und, wenn diese Eigenschaftauch ihnen nicht wäre gegeben worden,weil jener Raub, durch ausdrückliche Kir-chcngcsetzc verboten war, und folglich einguter Christ sich desselben nicht schuldigmachen konnte: so würden doch diese Tha«ten selbst eine solche Benennung genugrechtfertigen. Die Feen, deren Nähmeunstreitig aus dem lateinischen Harum ge-macht