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Form bilden kann 5 hiezu crfodertwerden. Der Dichter muß ans cige<ncr Erfahrung die verschiedenen Ge-mürhsarten, Grundsätze und Maxi-men der Menschen kennen; dann mußer jeder den natürlichsten Anstrich desNationalcharakters, des Zeitaltersund der Sitten, dahin er seine Per-sonen versetzt, zu geben wissen. Ermuß also, wenn er seine Handlnngaus entfernten Zeiten oder Landernnimmt, mit verflossenen Weltaltcrn,mit fremden, oder mit nicht mehrvorhandenen Sitten, eben so genaubekannt seyn, als mit denen, die ervor sich sieht. Und damit jeder Cha-rakter sich hinlänglich cntwikle, mußer die Handlnng selbst so einzurichtenwissen; daß jede Hauptperson inmannigfaltige Situationen komme;daß sie wichtigere und geringere Ge-schaffte habe; itzt ihre eigenen Ent-würfe ausführe, dann andre unter-stütze oder hindere.
Hiezu kommt noch, daß alle diesePersonen nicht nach dem gemeinenMaaßc der menschlichen Natur, son-dern nach einein hohem Ideal müs-sen gebildet seyn. Denn da dieHandlung an sich groß und außeror-dentlich ist, so müssen auch die han-delnden Personen groß seyn. Manmuß sogleich aus ihrem ganzen We-sen erkennen, warum der erzahlendeDichter in einem so hohen Ton vonihnen spricht. Würde er uns Men-schen von der gewohnlichen Art zei-gen, so würde sein Vortrag über-trieben scheinen; und zuletzt würdedas ganze Gedicht des Zweks verfeh-len, den es allemal hat, die Sinnes-art der Zuhörer zu erhöhen.
Man fodcrt von dem epischenDichter auch, daß er lehrreich scy.Seine Absicht ist nicht, uns gesche-hene Sachen zu erzählen, sonderndurch Vorbildung derselben Lehrenzugeben, unsre Gesinnungen zu er-höhen und zu erweitern. Aber die-ses muß er nicht als ein Sittenleh-
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rer, nicht als ein dogmatischer Phi-losoph, sondern nach seiner Art,wie ein Dichter thun,
Hui, guiä tlc pulckrum, guickrurpe,guili urile, guicl non,
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Er lehret durch Beyspiele, indem erMänner von großem Verstand undhoher Sinnesart bcy wichtigen Ge-legenheiten vor unsern Augen han-deln läßt. Das Lehrreiche liegtnicht in den Anmerkungen des Dich-ters ; auch nicht in theoretischen Ab-handlungen, oder in gelegentlichenallgemeinen Sittenlehren, die erdenPersonen in den Mund legt. Ausden Urthcilcn und Handlungen derPersonen muß man ihre Grundsätzeerkennen; das Große und Edle,oder das Schlimme in ihren Gesin-nungen wahrnehmen. Der Dichterlehret nicht durch Worte, wie mandenken und handeln soll, sondern erläßt seine Personen so denken undhandeln, daß wir Beyspiele darannehmen.
Einige Kunstrichter haben uns be-reden wollen, daß das epische Ge-dicht durch die Begebenheiten undden Erfolg der Dinge lehrreich seynmüsse. Diese Art des Lehrreichenmuß man in der Geschichte suchen;für den epischen Dichter ist dieses ei-ne Nebensache. In dem ganzen Fa-den der Geschichte der Jlias liegtwenig lehrreiches; dieses Gedicht, ineine bloße Erzählung verwandelt,konnte wol einige kalte Lehren ent-halten. Aber die wahre sittlicheKraft dieser Epopoe liegt in denHandlungen und der Sinnesart derPersonen; und daher kämmt es,daß ganz Griechenland den Homerfür den ersten Lehrer der Menschengehalten hat.
Endlich haben wir auch noch denepischen Ton zu betrachten. Da derDichter von dem großen Gegen-Ji z stand,