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gehen, wenn er gar zu viel außerdem menschlichen Gemüth liegendeMaterie in sein Gedicht bringenwollte.
Darum ist es sehr vorteilhaft,wenn er wenig körperliche Materiehat; wenn seine Handlung einfachist, und sich so leicht entwikelr, daßdie Einbildungskraft ohne Anstren-gung dem Faden der Begebenheitenfolgen kann. Dadurch gewinnt erselbst mehr Raum zu den Schilde-rungen, die das Wesentliche des Ge-dichts ausmachen, und der Leserwird weniger durch die Phantasiezerstreut. In diesem Stük hat dieJlias einen großen Vorzug über dieAcncis. Diese beschäftiget die Ein-bildungskraft weit mehr, als denVerstand und das Herz; und derDichter selbst hatte so viel wenigerZeit und Kraft Menschen zu schildern,je mehr er zu solchen Schilderungenanwenden mußte, die blos die Phan-tasie beschaffcigen. Der epische Dich-ter muß sich sehr davor in Acht neh-men, daß er die Einbildungskraftseines Lesers nicht ermüde. Derüberschwengliche Reichthum großerSccuen von dieser Art thut der ho-hen Messiade nicht geringen Scha-den; Leser, die nicht selbst die lebhaf-teste Einbildungskraft haben, müssensich in den Vorstellungen der Phan-tafle so verwikelt und verwirrt fin-den, daß sie sich nicht herauszuhel-fen wissen. In der Odyssc war dieseMannigfaltigkeit an sinnlichen Sce-nen nothwcndig. Der Dichter hatteeigentlich nur einen Menschen zuschildern, dessen Charakter er bisauf den geringsten Zug entfaltenwollte; darum mußte er ihn durchso mancherlei) Abentheuer hindurch,führen.
Die Handlung muß wichtig undgroß seyn. Wichtig, um die Auf-merksamkeit zu reizen, ohne welcheder Dichter seine Bemühung umsonstverwendet, oder gar durch seinen pa-
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thctischen Ton lächerlich wird. Jehoher seine Materie ist, je feyerli-cher kann sein Ton seyn. Unterneh-'mungen und Begebenheiten, wovondas Glük lind Ünglük eines ganzenVolks abhängt, sind die eigentlich-sten Gegenstande der Epopöe. Abersie müssen auch eine äußerliche Großehaben. Was plätzlich entsteht undseine Würknng plötzlich vollendet,kann zwar höchst wichtig seyn, aberes schiket sich nicht zur epischen Er-zählung. Ein ganzes Land könntedurch ein gewaltiges Erdbeben plötz-lich versinken. Dieses wäre einehöchst wichtige Begebenheit, undkönnte den Stoff zu einer erhabenenOde geben; aber zum epischen Ge-dicht schikt sie sich nicht, weil es ihran Größe der Ausdehnung fehlet.Darum fodert man mit Recht zumepischen Gedicht eine Handlung, womaunigsaltigeAnsirengnng der Kräftecrfodcrt wird, wo gewaltige Schwie-rigkeiten vorkommen, wo die han-delnden Personen in der höchstenWurksamkeit sind; denn nur einesolche Handlung giebt dem DichterGelegenheit alle Kräfte des menschli-chen Gemüths zu entfalten'). Dar-um hatten Milton undKlopstok, ob-gleich jeder einen, an sich höchst wich-tigen, Stoff gewählt hatte, nöthig,ihm durch die kühnestcn Erdichtun-gen die Größe der Ausdehnung zngeben, ohne welche ihre Gegenstän-de blos ein lyrischer Stoff gebliebenwären. Die Größe der Handlungbesteht demnach nicht in der Längeder Zeit, und in der Menge der Ge-schaffte. Eine Handlung von einemeinzigen Tag kann größer seyn, alseine von vielen Jahren. Es kömmtdarauf an, daß vielcrley Menschenauf eine interessante Weife ihre Kräfteund ihr Genie dabcy üben, und socntwikeln können, daß sie sich uns inihrem vollen Lichte zeigen.
Ii 2 Die
S. Handlung.