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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
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epische Dichter will nicht unterrich-ten , sondern rühren; sein Herz undseine Einbildungskraft sind von ei-nem großen Gegenstand in außeror-dk'-rlichc Würksamkeit gesetzet; vondiesem Gegenstand erwärmet, sprichter von dem, was er sieht und fühlt.Also ist sein Gegenstand seiner Na-tur nach Eines. Auch seine Absichtmacht die Einheit der Handlungnolhwendig. Er nimmt sich vor durchgenaue und umständliche Schilderun-gen merkwürdiger Thaten und Bege-benheiten die Gemüther der Men-schen in starke Bewegung zu setzen,ihnen große Empfindungen cinzuflös-sen, und sie, so viel an ihm liegt,zu großen Menschen zu machen.Diese Absichten zu erreichen, muß ernochwendig die Hauptsachen sehr um-ständlich und ausführlich schildern,damit der Zuhörer das Leidenschaft-liche und Sittliche derselben aufdaslebhafteste fühle. Die Charaktereder Hauptpersonen müssen sich völligenrwikeln, und man muß sie vonGrund aus kennen lernen. DerDichter kann also nicht summarischerzählen, sondern muß mcisteiitheilssehr umständlich senn. Wenn alsodas Heldengedicht nicht zu einer un-ermeßlichen Große anwachsen soll,so kann nur eine große Handlungdarin statt haben.

Ueberdem hat es mit allen Werkender Kunst dieses gemein, daß es de-sto vollkommener ist, je bestimmterder Eindruk ist, den es macht *),und je ununterbrochener die Aufmerk-samkeit vom Anfange bis zun« Endeauf die Gegenstände gerichtet ist.Diese Würkung kann nur in denWerken völlig erreicht werden, wodas Mannigfaltige sich auf eineneinzigen Punkt vereiniget; wo allesentweder aus einer einzigen Ursacheentsteht, oder auf ejue einzige Wür-kung abzielet. Daher entsteht dievollkommene Einheit der Handlung.

S. Werke der Kunst.

H e t

Man erkennet sie am besten daraus,wenn der Inhalt des ganzen Ge-dichts sich in wenig Worte zusam-men fassen läßt, so daß das Ganzenur eine Erweiterung einer ganz kur-zen Erzählung ist. Was ist einfa-cher, als die Handlung der Jliasoder der Odyssee? Jede hat nur eineeinzige würkende Ursache, worausalles entsteht: der ganze Inhalt derJlias kann mit aller seiner Größeinwenig Worten vorgetragen wer-den *); und eben dieses hat bei) derOdyssee und bey der Aencis statt.

Nothwendig ist also die Einheitder Handlung; und sehr vortheilhaftist es, wenn sie sehr einfach ist.Das Romanhafte, oder die Mengeund Mannigfaltigkeit seltsamer Be-gebenheiten, die blos die Einbil-dungskraft anfüllen, ist dem wah-ren Geist der Epopöe zuwider. DieHauptabsicht des Dichters geht aufdie Schilderung großer Thaten, dieer in dem Innern der Seele aufkei-men, und durch außerordentlicheSeelenkräftc sich entwikeln sieht.Dieses ist eigentlich seine Materie»die Begebenheiten sind der Grundoder die Tafel, auf welche er seineSchilderungen aufträgt**). Mankann das epische Gedicht mit einemhistorischen Gemähldc vergleichen,in welchem ohne Zweifel die Zeich-nung der Personen, dessen, was siefühlen, und dessen, wornach sie stre-ben, die Hauptsache ist. Aber derMahlcr hat eine Scene nöthig, eineLandschaft, einen Platz, wohin erseine Personen stellt. Er würde sehrgegen die Kunst anstoßen, wenn sei-ne Landschaft so reich an mannig-faltigen Gegenständen wäre, daß dieEinbildungskrast vorzüglich durchdieselben gereizt und von den Perso-nen abgezogen würde. Eben diesenFehler würde der epische Dichter bc-

geheiss

') S. Handlung.

S- Fabel.