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2 (1792) [E - J]
Entstehung
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ersten natürlichen Versuche Hinzuthunkann ch.

Aber so sind die Kunstrichter nichtzu Werke gegangen. Aristoteles, ei-ner der ersten, fand Homers Helden-gedichte vollkommen schon, und setztesie deswegen zu Mustern ein, ohnezu bedenken, was darin nothwendigund natürlich, und was zufallig ist.Auch die Kunstrichter, die nach ihmdie Beschaffenheit des Heldengedichts,bis auf das Einzele darin, durchRegeln fest zu setzen sich bemühet ha-ben, sind selten bis auf den erstenGrund der Sachen gegangen. Da-her ist dieser' Theil der Poetik, so wiemancher andre, mir vielen, zumTheil willkührhchcn, zum Theil fal-schen Regeln und Vorschriften über-häuft worden.

Wir wollen jener Spuhr der Na-tur nachgehen, um das Nothwendi-gc und Wesentliche des Heldenge-dichts zu cntdekcn. Wenn wir errei-chen können, wie die ersten auro-scheSiasmaliscben Heldengcsängeentstanden und wie sie beschaffen ge-wesen sind, so wird sich auch darausabnehmen lassen, wie der Geschmakund die Ueberlcgung solche rohe Ver-suche allmählig verfeinert und zurVollkommenheit gebracht haben.

Der erste Keim zum Heldengedichtliegt in dem natürlichen Trieb, merk-würdige Auftritte, die man mit Em-pfindung und mancherlei) Rührunggesehen hat, wiederzuerzählen, dieverschiedenen Eindrüke derselben inuns selbst zu erneuern, und in an-dern zu erweken. Manner, die ge-meinschaftlich etwas Merkwürdigesausgeführt haben, kommen selten zu-sammen, ohne davon zu sprechen.Jeder erzahlt den Theil der Geschich-te, der ihn am meisten gerührt, oder

') Man kann hier das wiederholen, wasim Art. Dichtkunst im I Th. S. 6- z f.angemerkt worden.

") Arikotclcs nennt allcDersuchc des nochrohen Genies ^Ulvlclieöiasm»!».

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an dem er vorzuglichen Anthcil ge-habt hat. Bey rohen Völkern ver-anlasset dieses öffentliche Feierlichkei-ten zum Andenken wichtiger Begeben-heiten, besonders aber glüklich ver-richteter Thaten.

Bei) solchen Feierlichkeiten sind dieGemüther schon zum voraus erhitztund zu lebhaften Empfindungen vor-bereitet. Diejenigen, die selbst ander Handlung Antheil gehabt haben,treten auf und erzählen mit vollemFeuer der Empfindung, sehr um-ständlich und durch lebhafte Schil-derungen der Personen und Sachen,das, dessen sie sich erinnern. Es isthöchst wahrscheinlich und zum Theilhistorisch gewiß, daß bey verschiede-nen Völkern das Andenken großerBegebenheiten durch eine lange Ney«he vonMenschcnaltern hindurch, all-jährlich durch öffentliche Feste ge-feiert worden. Wenn bey solchenGelegenheiten von den Angenzeugender Sachen keiner mehr am Lebenwar, iso werden zum Erzählen dersel-ben diejenigen aufgetreten, oder vonder Versammlung aufgefodcrt wor-den scyn, die wegen der Lebhaftig-keit ihrer Einbildungskraft und derWärme ihrer Empfindungen, für dietüchtigsten gehalten wurden, sehr leb-hafte Abbildungen der Sachen znmachen.

Dieses mag Gelegenheit gegebenhaben, daß einige lebhafte Köpfe,um die Ehre zu genießen, als Spre-cher öffentlich aufgelodert zu werden,sich in solchen epischen Versuchenwerden geübt haben, und daß manallmählig angefangen die feierlichenErzählungen ehemaliger Thaten, alseine Kunst zu treiben. So entstundvermnthlich der Beruf der Barden,aus denen hernach die Dichter ent-standen sind, so wie von den ältestenDemagogen die Rhetoren.

Wenn man bedenkt, daß es beyjenen Feierlichkeiten hauptsächlichauf die Erwekung lebhafter Empfin-

dun-