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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
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,giett, was man bcym Lesen einermerkwürdigen Geschichte empfindet.Der Mensch ist von Natur geneigtgroßen Begebenheiten nachzudenken;er verweilet mit Vergnügen dabey,»im alles, was ihn interessier, so be-stimmt und so ledhaft zu fassen, alses ihm möglich ist. Wenn die Hand-lung oder Begebenheit etwas weit-läuftig und verwikelt ist, so sucht erdas Wesentliche davon sich in einersolchen Ordnung vorzustellen, daß erdas Ganze auf einmal am leichtestenübersehen könne. Er ist init der Er-zählung des Geschichtschreibers nichtzufrieden, sondern denkt Umständehinzu, wie er sie zu sehen, wünscht;und seine Einbildungskraft leihet denPersonen und Sachen Gestalt undFarbe. Er selbst stellt sich dahin,wo er die merkwürdigsten Personenganz nahe zu sehen glaubt, wo erStellungen, Gcbehrdcn und die Ge-sichtszüge deutlich bemerken, den Tonder Stimme hören und jedes Wortverstehen kann. Wo die Personennicht reden, sucht er aus ihren Mi-nen ihre Gedanken zu erkennen; ersetzet sich oft an ihre Stelle, um je-den Einbruk, jede Empfindung, dendie Sachen aiss sie machen, auch zufühlen. Also gerath er bei) demFortgang der Handlung in alle Lei-denschaften und in alle Arten derGe-müthsfassung, die die Umstände mitsich bringen; sich selbst vergißt er ei-nigermaßen dabey, und ist ganzvon dem eingenommen, was er siehtund hört.

Dieses ist das Betragen eines je-den empfindsamen Menschen, so ofter sich einer merkwürdigen Begeben-heit, die er erzählen gehört, oderselbst gesehen hat, wieder erinnert,um die Eindrüke, die sie auf ihn ge-macht hat, noch einmal zu genießen.Wenn er selbst den Verlauf der Sa-chen andern erzahlt, so nimmt seinTvn und sein Ausdruk das Eepraz

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feiner Empfindung an, nnd er be-gnüger sich nicht, wie der Gcschicht-schreiber, blos zn erzählen, sondernversucht alles, so zu schildern, wieer es zu sehen, und so auszubrüten,wie er es zu hören, sich bemühet.Aus diesem, jedem lebhaften Men-schen natürlichen Hange, merkwür-dige Begebenheiten mit seinen Zusä-tzen, Schilderungen und besondererAnordnung der Sachen zu erzählen,müssen wir den Ursprung des Helden-gedichts herleiten. Auch ohne Kunstwürde ein empfindsamer und dabeysehr beredter Mensch unter dem Er-zählen ein Heldengedicht machen:und so mögen die ältesten Helden-gedichte der Barden gewesen seyn:kömmt noch Uebcrlegung und Kunsthinzu, so bekömmt die Erzählung ei-nen feinen» Ton lind mehr Wolklang;das Ganze wird in eine gefälligereForm geordnet; die Thcilc bekom-men ein Ebcnmaaß und überlegteVerhältnisse gegen einander; undalles, was zu mehrcrem Wolgefallcndienen kann, wird aus Uebcrlegungund Geschmak hineingebracht: undso entsteht die künstliche Epopöe ausden natürlichen Erzählung eben so,wie die künstlichen Gebäude aus den,einigermaßen natürlichen, Hütten *).Zu dem Nothwendigen und zu dem,was die Empfindung selbst an dieHand giebt, ist das hinzu gekommen,was ein überlegtes Nachdenken, undein verfeinerter Geschmak, zur Ver-schönerung der Sachen zu erfindenvermögen. Wer also eine gründlicheTheorie des Heldengedichts schreibenwollte, müßte eben so, wie der, wel-cher die Theorie der Baukunst fest znsetzen vornähme, zuerst auf das Noth-wendigc oder Natürliche darin se-hen , was der Kunst vorher gegan-gen ist, und hernach auf das, wasdie Kunst zur Vcrvollrommnung dec

ersten

») S. Gebälk.