Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
485
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H ar

Davon handelt -Heimchen weitläuf-ig *)-

Hart.

(Schöne Künlie.)Man braucht dieses Wort verschie-dentlich in der Sprache der Kunst,um gewisse Fehler damit auszubrüten.Ucbcrhaupt scheinet es de» Mangelder völligen Verbindung zwischenzwey aufeinander folgenden Vorstel-lungen auszudenken. Was dasRauhe oder Holprige eines Wegesmacht, das verursachet das Harte inallen Arten der Vorstellungen. Esist also das Gegcntheil des Sanften,in dem alles ohne die geringste Um-terbrechung, ohne den klcinestenSprung, zusammenhangt. Hartwird die Vorstellung durch wieder-holte kleine Unterbrechungen, daman die auf einander folgenden Be-griffe gleichsam an einander zwingenmuß. So ist ein Wort dem Klangenach hart, wenn es aus Buchstabenbesteht, die eine plötzliche und etwasschwere Veränderung der Glicdmas-sen der Aussprache crfodern, undsanft oder weich, wenn diese Verän-derung leicht und zusammenhan-gend ist. Es ist aber nöthig, daßder Begriff des Harten für die ver-schiedenen Zweige der Kunst beson-ders entwikelt werde.

Die Töne können auf mehr als ei-nerlei) Weise hart seyn. Ein Wortwird durch Zusammenstellung solcherBuchstaben hart, die nicht an einan-der passen, wovon man in dem Worte-Harr selbst ein Beyspiel hat, da dieBuchstaben r und r diese Harte ver-ursachen. Es ist nicht möglich durcheine sanfte oder allmählige Verände-rung in der Bewegung der ZungeWon r unmittelbar auf r zu kommen;der Uebcrgang geschieht plötzlich, unddadurch wird die Aussprache hart.

') In'einer Anweisung zum Generalbaßim zi u. ff. d. Vt Cap.

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Man empfindet hier, wie bey allenplötzlichen Veränderungen, den Man-gel des Zusammenhanges; denn die-jenigen, die nicht gewohnt sind einsolches Wort auszusprechen, setzenallemal ein mehr oder weniger merk-liches stummes c dazwischen, alswenn man Haret geschrieben hätte.Wo dergleichen gezwungene undplötzliche Veränderungen der Glied-maßen der Sprache oft vorkommen,da wird der Ton der Rede hart;hingegen ist sie weich, wo die Buch,staben gleichsam in einander stießen»so daß der Gang der Rede etwasstatiges hat.

Eine andre Ursache der Harte ent-steht aus einigen Fehlern^ gegen dieProsodie, da man die Wörter ihremnatürlichen Klange zuwider in dasMetrum bringet. Denn da mußman sich schnell zwingen das Kür-zere langer, und das Tiefere höherauszusprechen, als man würde ge-than haben, wenn man dem ge-wöhnlichen Gange der Sprache, denman, noch ehe die Wörter ausge-sprochen werden, fühlet, würde ge-folgct seyn.

In der Musik entsteht das Harteaus dem Unharmonischen der Töne,es scy daß sie zugleich, oder hintereinander gehöbt werden. Die un-harmonischen Fortschrcitungen, wo-von anderswo gesprochen worden *),sind hart, weil die Kehle plötzlichsich, gegen den natürlichen Zusam-menhang der Bewegung, bilden muß.In der Harmonie sind unvorberei-tete und unaufgelöste, auch sonst alledie gewöhnlichen Verhältnisse über-schreitende Dissonanzen hart, weilauch da das Gehör gegen die Erwar-tung eine plötzliche Veränderung em-pfindet. So ist auch die Modula-tion hart, wenn die Ucbergänge voneinem Ton in einen andern, ohneVeranstaltungen geschehen, die denH h z genauen

*) Zortschrcitung; Unharmonisch.