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2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
473
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licl) zu seyn, daß man sich verwun-dem muß, wie mau so spate daraufgefallen ist. Es scheinet beynahenochwendig, daß ein einstimmigerGesang von einem ganzen Chor, deraus jungen und alten Sangern be-steht, abgesungen, vielstimmig werde.Die Verschiedenheit des Umsangesder Stimmen fuhrt ganz natürlichdahin, daß einige die Octaven, an-dre die Quinten oder Terzen der vor-geschriebenen Tone, sowol heraufals herunter, nehmen, wenn sie dieHöhe oder Tiefe, so wie sie vorge-schrieben ist, nicht erreichen können.Dadurch aber entsteht eben der viel-stimmige Gesang. Ohne Zweifelaber hat ein solcher Gesang eineMenge der itzt verbotenen Octavcn-und Quinten-Fortschreituiigen her-vorgebracht. Und vielleicht hat ebendieses Gelegenheit gegeben, die Har-monie im Grunde zu siudiren, undden Stimmen von verschiedener Höhedie Töne so vorzuschreiben, daß diefalschen oder unangenehmen Fort-schreitungen vermieden wurden. Inder Thac besieht der wesentlichsteTheil der harmonischen Wissenschaftdarin, daß man zu einem einstimmi-gen Gesang mehrere Stimmen setze,deren Töne mit der Hauptstimmeconsoniren, aber so, daß die Octa-ven und Quinten in der Fortschrei-tung vermieden werden. Diesesscheinet also der wahre Ursprung derharmonischen Wissenschaft zu seyn.Erst lange hernach hat sie eine wei-tere Ausdehnung bekommen, da derGebrauch derDissonanzenaufgekom-men, und die diatonische Tonleiterdurch Einfuhrung der sogenanntenchromatischen Töne bereichert unddadurch die heutige Modulation ein-geführt worden. Dieses gab der har>monischcn Wissenschaft einen großemUmfang, indem man nun die Regelnvon dem Gebrauch und der Behand-lung der Dissonanzen und von derKunst zu modulireu, oder den Ge-

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sang durch mehrere Tonarten durch,zuführen, entdeken mußte.

Es erhellet aus der vorher ange-führten Bemerkung über den Ur-sprung des vielstimmigen Gesanges,daß die Harmonie einigermaßen noth-wendig in die Musik hat eingeführtwerden müssen. Daß sie aber derNatur der Sachen gemäß sei), er-hellet schon daraus, daß die harmo-nischen oder consonirenden Töne inder Natur selbst vorhanden sind.Denn es ist itzt vollkommen ausge-macht, daß jeder etwas tiefe undvolle Ton, indem er das Gehör rüh-ret, seine harmonischen Töne undnoch mehrere zugleich hören lasse *).Da nun die Annehmlichkeit einesKlanges ohne Zweifel ans dieserharmonischen Vermischung oder Ver-einigung mehrerer Töne entsteht;warum sollte man diesem Wink derNatur nicht folgen, und den Ge-sang nicht vielstimmig machen, wiedie Natur jeden einzeln Ton ge-macht hat?

Demnach hat die Musik durch Ein-führung der Harmonie unstreitig sehrviel gewonnen. Indessen treiben die-jenigen frcylich die Sache zu weit,die mit Ramean behaupten wollen,daß die ga.nzc Kunst blos auf dieHarmonie gegründet sey, und daß sogar die Melodie selbst ihren Ursprungin der Harmonie habe. Diese hatnichts, das auf Bewegung undRhythmus fuhren könnte, die dochin der Musik das Wesentliche sind.Man kann auch nicht einmal sagen,daß die Regeln der Fortschreirungaus Betrachtung der Harmonie ent-stehen. Denn das, was Rameanmit so vieler Zuversicht und mit sodemonstrativem Ton hiervon sagt, istvoll Rousseau hinlänglich widerlegtworden.

Man höret gar oft über Melodieund Harmonie die Frage aufwerfen,Gg 5 weiche

*) S. Klang.