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2 (1792) [E - J]
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ralbaß zu spielen hat. Er kann diebeste Harmonie verderben, wenn erdie Intervalle am unrechten Ortenimmt. Was aber hierüber nochbesonders anzumerken ist, kommt imArtikel Rlang vor. Hier bleibet unsalso die nähere Betrachtung der Har-monie übrig, in so fern das Wortin der zweyten der vorher angezeig-ten Bedeutungen genommen wird.

Es entstehet also die Frage, wasfür einen Antheil die Harmonie ander Musik habe. Einige Neuere be-haupten, sie sey das Fundament derganzen Musiki sie glauben, es seynicht möglich, daß ohne Kenntnißder Harmonie irgend ein gutes Stükkönne gemacht werden. Allein dieseMeinung wird dadurch widerlegt,daß die Alten, wie Hr. Äürettc sehrwahrscheinlich gczciget hat*), dieseHarmonie nicht gekeimt und dennochcineMnsik gehabt haben. Wem die-ses nicht hinlänglich ist, der bedenke,daß viele Völker ohne die geringsteKeunrniß der Harmonie ihre Tanz-gesimge haben; und daß man über-haupt eine große Menge sehr schönerTanzmelodien hat, die ohne Baßund ohne harmonische Begleitungsind. Daß die zum Behuf des Tan-zcns gemachten Gesänge das eigent-liche Werk der Musik seyn, darankann Niemand zweifeln, wenn manbedenkt, daß die Bewegung und derRhythmus, folglich das, was inder Musik gerade das Wesentlichsteist, und den Gesang zu einer leiden-schaftlichen Sprache macht **), indenselben am vollkommensten beob-achtet werden. Nun wird Niemandin Abrede seyn, daß nicht fürtreffli-che Tanze, ohne Rükstcht auf dieHarmonie, gemacht werden. Alsoist die Harmonie znr Musik nichtnothwendig; die Alten hatten ohnesie Gesänge von großer Kraft. Doch

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wollen wir eben nicht mit Rousseaubehaupten *), daß sie eine gothischeoder barbarische Erfindung st'), dieder Musik mehr schadet, als nützet**).Einstimmige Sachen, die von einemguten Baß und einigen Mittclstim-mcn nach den besten Regeln der Har-monie begleitet werden, verlierendurch die Harmonie nicht nur nichts,sondern gewinnen im Ausdruk of-fenbar. Freylich ist ein vierstimmi-ger Gesang, wenn er nicht vollkom-men harmonisch ist, schlechter, alsein einstimmiger: aber von einemguten Harmonistcn verfertiget, undvon geschiktenSängcrn so aufgeführt,daß die Stimmen in einander fließenund zusammen einen einzigen Gesangausmachen, rühret er weit mehr.Es ist wol schwerlich etwas in derMusik, das an Kraft und Ausdrukeinem vollkommen gesetzten und voll-kommen aufgeführten vierstimmigenChoral zu vergleichen wäre. Undwelcher Mensch empfindet nicht, daßein gutes Duet, ein wolgesctztesTrio, schöner und reizender ist, alsein Solo?

Wir ziehen hieraus den Schluß,daß zwar die Harmonie in der Musiknicht nothwendig, aber in den mei-sten Fällen sehr nützlich sey, und daßdie Kunst überhaupt durch die Erfin-dung derselben sehr viel gewonnenhabe.

Es ist bereits angemerkt worden,daß die Gesänge der Alten, wenn sieauch von einem ganzen Chor gesun-gen worden, nur einstimmig gewesen,und daß die Sänger alle im Uniso-nus oder in Oekoven gesungen haben.Man hält dafür, daß der vielstim-mige Gesang erst im zwölften Jahr-hundert aufgekommen sey f). DieVeranlassung dazu scheinet so natür-lich

*) O!Ä. ^rr. ttarmonie,

") S. Einklang II 5h. S. zr.

f) S. Marpm'gs BcyN'äge zur Musik,V Th. 5 Stük S. ZZ6.