Har
scni Sinne wird das Wort genom-men, so oft die Harmonie der Me-lodie entgegen gesetzt wird. Mansagt deßwegen, daß ein guter Ton-seyer Harmonie und Melodie versie-he» müsse. Das letztere verstehet er,wenn er einen einstimmigen, fließen-den und gefalligen Gesang setzenkann; das ersicre, wenn er diesenGesang mit einem begleitenden Baßund andern begleitenden Stimmengeschikt zu verbinden weiß, oder wenner mehrere Stimmen, deren jede ihreeigene Melodie hat, in ein wolklin«gendes Ganzes zu vereinigen imStande ist. Auch in diesem Sinnesagt man, die Alten haben in ihrerMusik noch keine Harmonie gehabt,um auszudrüken, daß ihre Gesaugenur einstimmig gewesen.
z. Bisweilen drükt man das Völ-klingen, das gute Consoniren, oderdas Zusammenfließen mehrerer Tonein einen, durch das Wort Harmonieaus. In diesem Sinne haben dieIntervalle und Accorde, die am mci-sten consoniren, auch die meiste Har-monie ; und die vollkommenste Har-monie ist die, welche mehrere gleichhohe Tone, oder die im Unisonnsoder Einklang gestimmt sind, geben,weil sie so völlig in einander fließen,daß man keinen davon besonders un-terscheidet. In dieser Bedeutungwird das Wort außer der Musik ge-braucht, so oft man sagen will,daß verschiedene Dinge so genau zu-sammen stimmen, oder sich so verei-nigen , daß es schwer ist einen ein-zeln Theil besonders zu wftcrschei-ben. Es wird in dem ArtikclRlanzgezeiget, daß jeder reine Klang auseiner Menge cinzeler Klange zusam-mengesetzt scy, die sich so genau ver-einigen , daß man nur Einen zu hö-ren glaubet. Also sind in dem Klangeiner einzigen Sayte viel Töne in ei-ne vollkommene Harmonie vereini-get. Dieser Einklang ist die Einheit,oder der Maaßstab, nach welchem
Har 4?t
alle Harmonie, oder alles Consoni-ren muß ausgemessen werde». Jedeutlicher man in einem Accord dieverschiedenen Töne, woraus er be-steht, unterscheidet, je weniger hater Harmonie. In dem angeführtenArtikel wird gezeiget, woher diesesZusammenfließen vieler Töne in ei-nen entstehe, und wodurch es gehin-dert werde. Diese Harmonie beru-het nicht blos auf den Intervallen,wie man sie insgemein, ohne Rük-sicht auf die Höhe, auf welcher sieiu dem System genommen werden,nennet. Ein Accord kann mehr oderweniger Harmonie haben, und dochaus einerley Intervallen bestehen.Folgender sicbensiimmiger Accord
obgleich, nach der gewöhnlichen Be-nennung, bcyde aus einerley Inter-vallen zusammengesetzt sind. Deß-wegen hangt die gute Harmonie ei-nes Accords nicht blos von der Artder Intervalle ab, woraus er zusam-mengesetzt ist, sondern auch von derHöhe oder dem Ort, den jedes In-tervall in der Tonleiter einnimmt.Diese Betrachtung ist besonders bcydem Bau der Orgel von großerWichtigkeit, weil die gute Veran-staltung der sogenannten Mixturenlediglich darauf gegründet ist. EineOrgel, darin die Mixturen nichtnach den Regeln der Harmonie, inso fern diese von der eigentlichen Hö-he, auf der die Intervalle genommenwerden, abhänget, angelegt sind,verliert alle Harmonie. Eben ssnothwcudig ist diese Betrachtung auchfür den, der den begleitenden Gcne-Gg 4 ralbaß