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Handlung zum weitern Nachdenkendes Künstlers vortragen.
Den Stoff zur Handlung gicbt dieFabelt; die Handlung selbst ist dachwodurch die Fabel ihre Würklichkciterhalt. Man kann die Fabel, aufwelche die Jlias gegründet ist, inwenig Worten fassen. „WahrenderBelagerung der Stadt Troja ent-zweyten sich Agamemnon und Achil-les so sehr, daß dieser sich von demHeer absonderte und nach Hauseziehen wollte. Dadurch wurden dieBelagerer so sehr geschwächt, daßes das Ansehen gewann, sie würdendie Belagerung aufheben müssen.Sie suchten vergeblich den Achillesdurch Bitten zu vermögen, daß ersich wieder mit ihnen vereinige; aberein besonderer Vorfall brachte ihnwieder zurük und setzte seinen Helden-muts) in neues Feuer; dieses veran-lasset!! den Tod des Hektors, wo-durch die Eroberung erleichtert wur-de, weil dieser Held eigentlich diestärkste Vormauer der Trojaner war."Dieses ist also die Fabel der Jlias.Die Handlung ist das, was ge-schieht. oder wodurch diese Fabel dieWürklichkcit bekömmt: der Streitzwischen Agamemnon und Achilles;des Achilles Abzug vom griechischenHeer, u. s. f. Wir haben drcy grie-chische Tragödien, welche ein undeben dieselbeFabel behandeln: „Ore-stes kömmt nach einer langen Abwe-senheit in das Haus seines Vaterszurük, und rächet dessen Tod durchErmordung des Aegysthus .uud derElcktra." Aber die Handlung ist injeder dieser Tragödien verschieden.
Die Begriffe der Fabel und derHandlung werden von denKunstrich-kern nicht allemal gehörig unterschie-den: man fodert oft von der Hand-lung, was der Fabel zukömmt. Ei-gentlich ist die Fabel die gescheheneSache, deren Ansang, Fortgang undEnde sich der Künstler dem Erfolge
*) S. Fabel.
Aweycer Theil.
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nach vorstellt; die Handlung aber istdas, wodurch sie geschieht, wodurchsie ihren Anfang hat, ihren Fort-gang gewinnt, und ihr Ende erreicht.Da wir von der Fabel besonders ge-sprochen haben*), so wollen wirhier unsre Anmerkungen blos auf dieHandlung einschränken.
Eigentlich ist es nicht die Fabel,sondern die Handlung, wodurch einWerk groß und merkwürdig ist. DieJlias ist nicht wegen der Fabel, diezum Grunde liegt, nicht darum, daßAgamemnon und Achilles sich ent-zweist haben u. s. f. ein großes undwichtiges Werk, sondern dadurch,daß die Sachen so geschehen sind,wie derDichter sie vorstellt; nämlichdurch die Handlung. So ist auchkeines der vorher erwähnten drei)Trauerspiele der Fabel halber merk-würdig; dieselbe Sache könnte sovorgestellt werden, daß Niemandgroßen Anthcil daran nähme; aberdurch die Handlung, durch das. wasgeschieht und die Art wie es geschieht,werden sie wichtig.
Die erste und nothwendigste Ei-genschaft der Handlung ist, daß siewahrscheinlich und natürlich sey, sodaß das, was geschieht, aus denvorhergehenden Ursachen auf eine un-gezwungene und verständliche Weisehat erfolgen müssen. Denn wo die-ses nicht ist, da fällt die Aufmerk-samkeit auf die Sachen, der Anthcil,welchen man daran nehmen sollte,weg. Man glaubt, der Künstler wol-le uns hintergehen, oder habe ge-träumct und sich die Sachen fälsch-lich eingebildet. Darum muß in derganzen Handlung nichts geschehen,davon man nicht den Grund in denCharakteren der Personen und in derLage der Sache entdckct. Dazu wirdfreylich erfodert, daß der Künstlerein wahrer Kenner der Menschen scyi;Hier hilft die feurigste Einbildungs-kraft
*) S- Fabel.
Eg .