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durch cin flach einfallendes Licht er-halten wird- Die Scharfsinnigkcitdes Künstlers muß die wahren Ursa-chen der besten oder schlechten Hal-tung in jedem besonder» Falle zuentdcken wissen; dabei) muß er aberauf alle Umstände zugleich sehen.Wenn er z. B. in einem bcsondernFalle finden sollte, daß ein hohes unddabei) starkes Licht sehr gute Wür-knng thut, so muß er auch genauauf die Anordnung der Gruppen da-bei) Acht haben; denn eben dasselbeLicht konnte, wenn sonst alles übrigegleich wäre, bcy einer andern An-ordnung gerade eine schlechte Wür-kung thun.
Ein Künstler, dem es sonst nichtan gehöriger Scharfsinnigkcit fehlet,wird durch dergleichen Veobachtun.gen zu einer gründlichen Kcnntnißder Ursachen einer guten Haltungkommen, in so fern diese von Lichtund Schatten, vom Hellen undDunkeln, und von der gcschiktenWahl dcrLocalfarbcn abhangt. Mitder Beobachtung der Natur abermuß er auch das Studium der be-sten Kunstwerke, besonders der nie-derländischen Schulen verbinden.Wegen des bcsondern Einflusses, dendie Localfarben auf die Haltung ha-ben, und welcher bisweilen nicht ge-ring ist, kann man einem fleißigenMahlcr ein Mittel vorschlagen, wo-durch er in diesem besondern Theileder Kunst gewiß hinter die Geheim-nisse kommen wird. Er müßte eini-ge Eemahlde von vollkommener Hal-tung mehreremale copiren, und über-all, wo es sich thun laßt, die eigen-thümlichcn Farben andern, hier einerFigur, die ein Helles Kleid hat, cindunkcles geben, ein rothcs Gewandin cin grünes u. s. w. verwandeln.Vey jeder Abänderung der Localfar-ben wird er eine merkliche Verände-rung in der Haltung wahrnehmen,und dadurch wird er in diesem Thei-le der Kunst zu einer gründlichen
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Kenntniß gelangen. Der Weg istfreylich mühsam, aber die Mühewird dann dadurch belohnt, daß ma»seiner Sachen gewiß wird. Wernicht nüt einem ausnehmenden Ge-nie für seine Kunst gcbohren ist,muß sich nicht einbilden, daß er oh-ne viel Mühe und großes Nachden-ken es darin zu irgend einem be-trächtlichen Grad der Vollkommen-heit bringen werde.
Die größten Schwierigkeiten fin-den sich da, wo die Haltung nichtdurch Entgegensetzung des Lichts undSchattens, sondern blos durch einegeschikte Brechung der hellen Farbenzu erreichen ist. Man sieht biswei-len Portraite, besonders unter de-nen von van Dyk, wo die Gesichtereine bcwundrnngswürdige Ründunghaben, ohne daß man Schatten dar-in gewahr wird. Dieses ist aberauch das Höchste in der Kunst desColorits, und es läßt sich kaum be-greifen , wie diese Würkung erreichtworden. Es ist unendlich leichterdie Haltung durch Licht und Schat-ten zu erreichen, als durch bloßeBrechung der hellen Farben. Hiermuß man durch ein glükliches Ge-fühl alles errathen, da man dortziemlich bestimmten Regeln folgenkann. Titian und van Dyk sind hierdie großen Muster, die der Mahlerzu studiren hat.
Der Begriff der Haltung mußnicht blos auf die Werke der zeichnen-den Kunst eingeschränkt werden; ererstrekt sich auf alle Werke der Kunst.Ein Gedicht oder eine Rede, durch-aus in einem Ton und mit einerlei)Stimme gelesen, würde für das Ge-hör eben so ohne Haltung seyn, alseinGcmahldc ohne Haltung der Far-ben. Und die Rede, in welcher allecinzcle Gedanken gleich stark undgleich ausführlich vorgetragen sind,ist dem Gcmahlde ähnlich, dem dieHaltung in der Zeichnung fehlet^
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