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2 (1792) [E - J]
Entstehung
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Starke und Austhcilung des Lichtsund Schattens, des Hellen undDunkeln; und von der Ausführlich-keit, sowol in Zeichnung, als imColorit. Das, was zur Pcrspektivgehöret, ist bestimmten Regeln unter-worfen, und hat also keine Schwie-rigkeit; auch das, was die Ausführ-lichkeit, sowol in Zeichnung, alsim Colorit zur Haltung beyträgt,läßt sich durch mittelmäßiges Nach-denken finden. Es fallt gar bald indie Augen, daß alles, was an einemKörper sichtbar ist, undeutlicherwerde, je weiter er sich vom Augeentfernet; daß an ganz nahen Ge-genständen die kleinesten Beugungenim Umriß, die geringsten Erhöhun-gen und Vertiefungen, die feincstenSchattirungen der Farben, die klei-nesten Lichter und Widerscheine kön-nen bemerkt werden, daß alle diesekleinern Dinge allmählig unmerkbarwerden, so wie man sich von demGegenstand entfernt, bis endlich derganze Umriß ungewiß, die Form desKörpers nur überhaupt merkbarwird, alle Schattirungen der Far-ben und die Schatten selbst verschwin-den, so daß der Körper einfärbig,an Farbe matt und gänzlich flachscheinet. Diese Dinge haben wenigSchwierigkeit, und können durch fleis-sige Beobachtung der Natur gelerntwerden. Desto schwerer aber ist es,die andern Umstände so zu beobach-ten, wie die Vollkommenheit der Hal-tung es erfodcrt.

Wie sehr die Haltung von dem ein-fallenden Lichte, von der Richtungund Stärke desselben, überhaupt vomHellen und Dunkeln abhänge, kannman deutlich bemerken, wenn mancineAussicht oder Landschaft bei) al-len möglichen Abwechslungen desLichts fleißig beobachtet. Bey Hel-lem Sonnenscheine hat ein und ebendieselbe Aussicht jede Stunde des Ta-ges eine andre Haltung, weil Lichtund Schatten jede Stunde nicht nur

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auf andre Stellen fallen, sondernstarker oder schwacher sind. Manwird bald gewahr werden, in wel-chem Fall das hohe oder niedrigeLicht, und wenn das gerade oderScitenlicht vortheilhaft sey. Durcheben diese Beobachtung einer Gegendwird man auch den Einfluß kennenlernen, den der Ton auf die Hal-tung hat. Darum soll der Mahlerdas, was zur Haltung gehöret,durch genaue Beobachtung der Na-tur stndircn. Er kann sich hierinden Leonhard da Vinci zum Musternehmen, der mit der Genauigkeitund dem Scharfsinn eines Naturfor-schers jede Würkung des veränder-ten Lichts auf das genaueste beob-achtet hat. Der Historicnmahlerwird auch bcy Gelegenheit derSchauspiele manche wichtige Beob-achtung über die Haltung machenkönnen. Man sieht bisweilen Sce-ncn, da die Haltung ausnehmendgut ist, und andre sind in dieser Ab-sicht sehr matt. Ein nachdenkenderMahler wird bald entdeken, wie vieldie Farbe des Grundes, oder derHinterwand der Schaubühne, dieKleidung der Personen, die Stärkeoder Schwache des Lichts, in wel-chem sie stehen, zu der guten oderschlechten Haltung beitragen.

Durch dergleichen Beobachtungenlernt man den Haupttheilen des Ge-mahldes, ganzen Gruppen, vermit-telst einer gcschiktcn Austhcilung desLichts und Schattens, und einerverhältnißmaßigcn Stärke derselben,die gute Haltung geben. Es könnenaber hierüber keine Regeln festgesetztwerden, weil die Fälle unendlich ab-wechseln, und bald jede Anordnungder Gruppen oder der Haupttheiledes Gemähldcs ihr besonderes Lichterfodcrt. Manches Gemählde be-kömmt seine Haupthaltung von ei-nem etwas hoch einfallenden Seiten-licht, da diese Würkung in einemandern, weil es anders gruppirt ist,

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