Druckschrift 
2 (1792) [E - J]
Entstehung
Seite
460
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H a lHalbschatten.

(Mahlerei).)

Aiefts Wort wird in der Mahlereygebraucht, aber nicht allemal in deineigentlichen, ihm zukommcndcnSinn.Nach seiner wahren Bedeutung mußes bey der Farbcngebung von denStellen gebraucht werden, wo dieeigenthnmlichc Farbe der Körper,aus Mangel des vollen Lichts, et-was dunkclcr wird, als sie daist,wo das ganze Licht auffallt. Wennein an der Sonne liegender Korpereinen Theil seiner Flache der Sonnegerade zukehret, daß alle Strahlensenkrecht, oder beynahe so darauffallen, so erscheinet ans dieser Stel-le des Korpers seine cigcnthümlicheFarbe in vollem Lichte; die Theile,die von der Sonne weggekehrt sind,auf die folglich gar kein Sonnen-strahl fallen kann, sind im völligenSchatten; die Stellen aber, wo dasLicht schief auffallt, die von demsel-ben nur gestreift werden, haben einmerklich vermindertes Sonnenlicht,folglich wird die eigenthümliche Far-be weniger hell. Weil die Farbeweder das volle Licht hat, noch invollem Schatten liegt, so giebt mandieser Verminderung der Helligkeitder eigenthümlichen Farbe den Na-men des Halbschattens. Die Ver-dunklung der eigenthümlichen Farbekann durch Bcymischung einer dun-keln Farbe in die helle, und alsodurch das Brechen der Farben er-halten werden; deßwegcn haben ei-nige das Wort Halbschatten über-haupt von den gebrochenen Farbengebraucht. Andre haben überhauptdie Mittelfarben Halbschatten ge.nennt, weil die Verdunklung der hel-len Farben des vollen Lichtes auchdurch ganze Mittelfarben kann er-halten werden. Hieraus laßt sichbegreifen, woher die Ungewißheitm d Verwirrung in Ansehung derBeben, ung des Worts entstanden ist,

H a l

über welche der Herr von Hagedorn,in seinen Betrachtungen über dieMahlerey, sich beklagt.

Haltung des Körpers.

(Schöne Künste.)Ä?ir verstehen hier durch diesesWort das, was man gemeiniglichdurch das französische Wort M-Un-tisn ausdrükt, die charakteristischeArt, wie ein Mensch bey verschiede-nen Stellungen und Gebehrden sichtragt, oder halt. Fast alle Artendes sittlichen Charakters können, beyjeder Art der Stellung und Gebehr-dung, schon durch die Haltung desKörpers ausgcdrükt werden; dasAuge des Kenners entdekt darin Un-schuld oder Frechheit, Güte der Seeleoder Hurtigkeit des Herzens, edlesoder niedriges Westn. Die Haltungist gleichsam der Ton der Stellungund der Gebehrden; denn wie einer-lei) Worte durch den Ton, in demsie gesagt werden, von ganz verschie-dener Kraft seyn können, so könnenauch einerlei) Gebehrden durch dieHaltung einen verschiedenen Charak-ter bekommen. So unmöglich esauch ist, das was zur Haltung ge-hört, zu beschreiben, so klar undgewiß ist doch ihreWürkung auf denfeinen Kenner. Sie ist eines derMittel, wodurch die Seele sichtbargemacht wird.

In den zeichnenden Künsten, imSchauspiel, im Tanz und auch indem Vortrag der Rede, ist sie vonder größten Wichtigkeit, weil sie unsoft Dinge empfinden laßt, die unsdurch kein anderes Mittel empfind-bar könnten gemacht werden. Eswar die Haltung, ans welcher nachVirgils Beobachtung Acneas die Ve-nus erkannte: Incellu pstuir vea;und so kennet man den Apollo imBelvedere für den Gott des Lichts.