Hae
muß nothwendig so seyn, daß er dieAufmerksamkeit reizet, und sich derVorstellungskraft schnell und sichergleichsam einverleibet. Darum mußer weder verworren, noch undeutlich,noch widcrsinnisch seyn, noch irgendetwas an sich haben, das der Vor?siellungskrafr den lebhaften Eindruk.den sie davon haben soll, schwermacht; weil in dicftmFall der Zwckverfehlt wird. Jeder Künstler ist alsein Redner anzusehen, der durch sei-nen Vortrag in den Gemüthern einegewisse Würkung hervorzubringenhat. Diese mag angenehm oder un-angenehm seyn, so müssen die Vor-stellungen, wodurch er seinen Zwckerreichen will, durch Klarheit, durchRichtigkeit, durch treffende Kraft,durch Ordnung, tief in die Vorstel-lungskraft eindringen. Ein verwor-rener, undeutlicher, langweiligerVor-trag, unbestimmte und confuse Be-griffe, sind allemal dem Zwek desRedners entgegen, weil das, wasdarin liegt, nicht gefaßt wird. Deß-wegcn muß er immer gut, oder,wenn man will, schon reden, auchda, wo er widrige Empfindungen er-wckcn will. Dadurch zwinget eruns, ihm auch alsdann zuzuhören,wenn er uns unangenehme Dingesagt. Mit einem Wort, er mußauch haßliche Dinge schon sagen,das ist, auch widrigen Vorstellun-gen die ästhetische Vollkommenheit,die man oft mit dem Namen derSchönheit belegt, zu geben wisse».So muß jeder Künstler seinen Gegen-stand bearbeiten; er muß sowolschone, als widrige, häßliche Din-ge so vor das Auge bringen, daßwir gezwungen werden,, sie lebhaftzu fassen.
Inwiefern, in den schönen Künsten,Häßlichkeit verschiedentlich wirket, darübers. den Laocoon, vcrgl. unter andern, mit
Hat 45V
S. -44 u. f. des Ersten kritischen Wäld-chens. — „Von dein Garstigen und Aer,brochenen, welches mit Unrecht mahlcrtschgenannt wird/' handelt l'aireffe in dem>7tcn Kap. dcs stcn Buches seines großenMahlcrbuches S. 194. der Ausgabe von>785- — und „Von der Vermeidung desHäßlichen, und was die seinern Empfin-dungen beleidigt," Hagedorn in der steilBetr. S, 10».
Halber Ton.
(Musik.)
So wird das kleineste diatonischeIntervall genennt, O-Ois, oder L-lsu. s. w. Dieses Intervall ist abervon zweyerley Große: der große hal-be Ton, K-b', oder ki-L, der derUnterschied ist zwischen der reinengroßen Terz ^ und der reinen Quar-te H, und folglich durch ausgc-drukt wird; und der kleine halbeTon, der der Unterschied zwischender großen und kleinen Terz ist, unddurch ausgedrükt wird. Dieserkleine halbe Ton aber kommt in un-serer Tonleiter gar nicht vor. Uebcr-haupt ist jede Stufe, oder jedes In-tervall zwischen den zwey nächstenSayten der heutigen Tonleiter, alse.Ois, Ois-V u. s. f., ein halberTon; und diese find bald großer,bald kleiner, wie jedermann ansVcr-?glcichung der Zahlen sehen kann *).Diejenigen, welche den kleinen hal-ben Ton annehmen, be-kommen dadurch eine große Terzeis - b', welche nicht kam, gebrauchtwerden, weil sie bcynahe um zuhoch ist; da die höchste erträgli-che Abweichung, der Terz ^ seynkann.
Halb-
6) S. System.