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Unebenmaaß der Thcile eines Gan-zcn. Es entstehet aus Theilen, wel-che zu groß oder zu klein sind, in de-nen etwas zn viel oder zu wenig ist,die nicht in die Art des Ganzen pas-sen , die gezwungen sind, die gegeneinander streiten, die der Erwartungdes Auges widersprechen. Es istnicht blos der Mangel der Schön-heit; denn dieser hat keine sinnlicheKraft, er laßt uns gleichgültig;sondern etwas würklichcs. Da wiruns aber weitläuftig über die Naturdes Schonen erklart haben *), so istes überflüßig, hier viel über die Na-tur des Gegcntheils zu sagen, da allesleicht aus jenem herzuleiten ist.
Nothwcndiger aber ist die nähereBestimmung seines Gebrauchs. Die-jenigen, welche das Wesen der Kün-ste in der Nachahmung der schonenNatur, und ihren Zwek im Vergnü-gen setzen, müssen Kraft dieser Grund-sätze den Gebrauch des Häßlichenganz verbieten. Und dieses thunauch in der That die meisten Kunst-richtcr. Ahmet aber der Künstler,welcher schlechterdings alles Häßli-che verwirft, der Natur wahrhaftignach? Bei) der offenbaren Liebe zumSchonen und Angenehmen, hat sieauch viel Dinge widrig gemacht.Die meisten giftigen Kräuter verra-then ihre bose Natur entweder durchwidrigen Geruch oder durch etwasHäßliches in dem Ansehen. Dadurchwerden oft Menschen und Thierc ab-gehalten, sich Schaden zu thun.
Mit demselbigen Geist muß derKünstler vorzüglich durch das Scho-ne sich den Weg zu dem Herzen off-nen, aber auch das Häßliche brau-chen, um dem Bosen den Eingangin dasselbe zu verschließen. In die-ser Absicht hat Miltpn der Sündeeine so abscheuliche Gestalt gegeben,ein Muster des Häßlichen; und zugleichem Zwek hat 2?oe>mcr in derNoachide die scheuslichstcn Formen
s) S. Schön,
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zu Bildern verschiedener Sünden ge-wählt. So hat auch Raphael, derfeincste Kenner des Schonen in derForm, den sterbenden Auanias undden Arula häßlich gemacht.
Von den unangenehmen Empfin-dungen sind Zorn und Schreken nichtdie einzigen, welche der Künstler zucrweken hat, sondern auch Abscheuund Ekel *); dazu ist das Häßlichedas eigentliche Mittel.
Man verbietet insbesondere denzeichnenden Künsten den Gebrauchdes Häßlichen. Aber so widcrsin-nisch der Mahler handelt, der häß-liche Gegenstände blos darum wählt,weil sie häßlich sind, oder um seineKunst daran zu zeigen, so kann manihm dessen Gebrauch nicht schlechter-dings verbieten. Hat er Personenvon abscheulichem Charakter vorzu-stellen, warum soll er nicht die Zei-chen der Verwerfung auch ihrer Formeinprägen? Allein deßwegen wollenWiedas Ucbertriebene hierin nicht gutheißen. Es kann einer ein nichts-würdiger Mensch seyn, ohne wie eineCarrikatur auszusehen; er kann wol-gcstaltet seyn, und dennoch durchetwas Widriges in der Form, daSHäßliche seiner Natur verrathcn.
Der Gebrauch des Häßlichen inden Werken der schonen Künste ist al-so keinem Zweifel unterworfen. Die,ses aber widerstreitet dem Grundsatz,daß der Künstler seinen Gegenstandverschönern soll, gar nicht, Bey-des kann sehr wol neben einander be-stehen, wenn man nur die Begriffeaus der Natur und dem Wesen derschonen Künste genau bestimmt.
Dieses besteht unstreitig darin,daß sie den Gegenstand, durch wel-chen sie auf die Gemüther würkenwollen, so bearbeiten, daß die Sin-nen , oder die Einbildungskraft ihnlebhaft, mit volligerKlarheit und indem eigentlichen Lichte fassen. Er
muß
*) S. Ekel.